Schwache Rauchzeichen der CDU

erstellt am: 14.03.2017 | von: Sebastian Laumen | Kategorie(n): angemerkt

Der Wahlkampf der CDU in NRW will irgendwie nicht so recht anlaufen. Ok, wir stehen auch noch am Anfang des Wahlkampfs. Die Umfragen sprechen für die SPD und selbst eine Jamaika-Koalition ist durch die miesen Umfragewerte der Grünen in weite Ferne gerückt. Ja, Umfragen sind nur eine Momentaufnahme. Aber außer Armin Laschet, der sich tapfer von Talkshow zu Talkshow quasselt, will mir auch kein weiteres Gesicht der Landes-CDU einfallen. Also hat man sich bei der CDU entschieden, ein scheinbar längt eingeäschertes Thema zu entstauben: das Rauchverbot in der Gastronomie. Gerne. Wenn die CDU das Fass aufmacht, machen wir halt den Deckel wieder drauf!
Für mich ist es eine willkommene Gelegenheit, einen Beitrag zu recyclen, den ich 2012 für das Verbandsmagazin der NRWJusos geschrieben hatte. Vor fünf Jahren war das Thema auch innerhalb der SPD und den Jusos nicht unumstritten.

Der Begriff „Rauchverbot“ ist irreführend

voller Aschenbecher

Bitte draußen rauchen!
© Sebastian Laumen/fotostock.jusos-mg.de

Die Debatte um das Nichtraucherschutzgesetz wird häufig emotional geführt und wird so der Sache nicht gerecht. Oft erkennt man schon an der Wortwahl des Beiträge, von welcher Seite argumentiert wird. Griffiger und geläufiger als das sperrige Wort „Nichtraucherschutzgesetz“, ist der Begriff „Rauchverbot“. Dieser impliziert einen Angriff auf eine Freiheit.

Doch Rauchen mit Freiheit zu verbinden, verdanken wir der Werbemaschinerie der Tabakindustrie. Ebenso gelten Zigaretten als Genussmittel – warum auch immer. Zigarettentabak ist in der Regel weder besonders hochwertig und noch schmeckt er gut. Statt dessen werden unsere Geschmacksnerven weniger sensibel für Aromen. Tabak steht dem tatsächlichen Genuss also entgegen. Dennoch behaupten viele Gegner des Nichtraucherschutzgesetzes, dass ihnen das Bier bei einer Zigarette besser schmeckt. Wem das komisch vorkommt, der wird feststellen, dass viele
Einwände gegen das Gesetz einer genauen Prüfung nicht standhalten und sich als Scheinargumente entpuppen.

Kneipensterben gibt es auch ohne Nichtraucherschutz

Kneipensterben gibt es seit langem, ganz unabhängig von drohenden Rauchverboten. Die Ursachen liegen woanders. Regionale Besonderheiten wie Brauchtum oder Kneipenkultur, die einem Verbot entgegenstünden, zeigen bei einem Blick über die Grenzen NRWs hinweg, dass diese regionalen Besonderheiten nicht einzigartiger sind als anderswo. Die Briten haben ihre Pub-Kultur, in der das Feierabendbierchen wenigstens eine ebenso lebendige Tradition hat. Die Bayern haben ihr Brauchtum. Festzelte und Stammtische gehören zu Bayern wie die Biergärten. Auch hier war das Geschrei groß, als im Zuge des flächendeckenden Nichtraucherschutzes der Tabakkonsum vor die Tür verlagert werden sollte. Gewinneinbrüche und unzumutbarer Gestank wurden befürchtet. Eingetreten ist das Gegenteil.

Im Gegensatz zu NRW, stieg in Bayern seit der Einführung des Gesetzes der Umsatz in der getränkegeprägten Gastronomie. Bayern stellt sich damit gegen den Bundestrend.

Rauchfrei vs. Rauchfreiheit

Doch es geht nicht um die Freiheit zu rauchen. Die Freiheit des einen endet da, wo die des anderen beginnt. Das Nichtraucherschutzgesetz dient dem Zweck, Nichtraucher zu schützen. Im Gegensatz zu Alkohol oder gar Cannabis besteht bei Tabak nicht einmal der Verdacht einer gesundheitsfördernden Wirkung.

Doch während ein Gast in der Gastronomie theoretisch die Wahl hat, ob er sich dem Qualm aussetzen möchte, haben viele Angestellte und Aushilfen diese Wahl nicht. Für sie besteht die wirtschaftliche Notwendigkeit, ihren Lebensunterhalt in der Gastronomie zu verdienen. Das ist kein Traumjob. Das ist körperlich harte Arbeit mit denkbar ungünstigen Arbeitszeiten. Faktisch herrscht in vielen Betrieben eine Schadstoffbelastung, die in der Industrie das Tragen Atemschutzgerät vorschreiben würde.

Nichtraucherschutz ist Arbeitnehmerschutz – einer Tatsache, die gerade wir als Sozialdemokraten uns nicht verschließen dürfen. Dies sollten wir ernst nehmen und ansonsten einen kühlen Kopf bewahren. Bekanntlich wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Vor der Tür zu rauchen ist im schlimmsten Fall lästig – mehr aber auch nicht. Und so frage ich Euch: Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Sebastian Laumen

Autor: Sebastian Laumen

"I ♥ MG - diese Stadt hat ihr Potential noch nicht ausgeschöpft." Sebastian betrachtet die sozialdemokratischen Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität nicht als abstrakte Richtlinien sondern als konkreten Handlungsauftrag. Er ist Mitglied der Bezirksvertretung Mönchengladbach-Nord.

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