#Nachbarschaftsstreit

erstellt am: 30.05.2016 | von: Sarah Mohamed | Kategorie(n): Meinung

Dass Rechtspopulisten neuerdings schlechte Laune beim Essen von Kinderschokolade bekommen, wissen wir ja schon. Und der „Wir-geben-Kontra-Stimmung“ in Netz und Medien war anzusehen, dass es dem Großteil der Menschen scheißegal ist, was Rechts denkt. Wer keine Kinderschokolade mag, soll sie schlicht und ergreifend nicht kaufen! Kinderschokolade. Kindertheater.

Artikel der F.A.S. über Gaulands Beleidigung gegenüber Boateng sorgt für Unruhen im Internet

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Es ist immer wieder beeindruckend, wie viele Menschen sich so schnell sammeln können und sich solchen menschenverachtenden Äußerungen gegenüberstellen. Auch wenn es laut den Medien immer weniger werden. Es ist nicht beeindruckend aufgrund der großen Masse. Es ist beeindruckend zu sehen, dass die Masse noch normal denken kann, sich wehren kann, seine Präsenz zum Ausdruck bringen kann. Es löst in mir ein beruhigendes Gefühl aus. Auch wenn sie nicht im direkten Sinne versammelt sind, sammeln sich ihre Meinungen, ihre Posts, ihre Hashtags. Gestern ging man auf die Straße, heute halt ins Netz.

Jetzt kam wieder etwas aus der rechten Ecke gekrochen:

Ja! Sie haben es wieder geschafft! Sie haben es geschafft, dass sich ganz Deutschland mal wieder die Stirn kraust. Alexander Gauland möchte Nachbarschaftsstreit. Darauf lässt sich das Netz nicht ein. Wieder beruhigend. Anscheinend wurde es der AfD-Spitze zu langweilig. Es reichte einfach nichts mehr, um zu provozieren. Man fing (leider) gerade damit an, sich an die provokante und konfliktbereite Einstellung der AfD und Co. einigermaßen zu gewöhnen. Der Versuch, durch einfaches Ignorieren gar nicht erst weitere Chancen zu bieten. Doch wie sich zeigte, funktioniert das mit dem Ignorieren nicht immer so wie es sollte. Ja, es wurde wieder langweilig, aber für diesen Fall gibt es ja auch einen Masterplan, der immer funkt: Man nehme sich etwas, das dem deutschen Volke (und damit meine ich nicht irgendwelche rassistischen Vollpfosten, die sich fälschlicherweise selber so nennen) am Herzen liegt und kaut schön darauf herum. Zum Beispiel unsere Nationalmannschaft. Et voilà! Alle streiten wieder. Nebenbei fungiert dieser Masterplan als erfolgreiche Werbestrategie ohne einen Eurocent dafür blechen zu müssen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es aus dieser Position ein großes Vergnügen sein muss, wenn anscheinend alles so gut läuft. Ich möchte auf die Tatsache aufmerksam machen, dass man sich, wie bei vielen Dingen, darüber streiten kann, ob es nun sinnvoller ist zu ignorieren oder zu reagieren. Kontern ist wichtig, sogar sehr wichtig und die Auswirkungen von einer langfristigen Ignoranz sind nicht abzusehen. Welche Art des Umgangs mit solchen Situationen gewählt wird, ist letztendlich immer auch ein bisschen eine Sache des Akzidens. Theoretisch gesehen, habe ich mich in dieser Situation auch für eine Art des Umgangs damit entschieden, und zwar in dem Moment, als ich mich dafür entschieden habe, meine Meinung zu diesem Thema in Buchstaben zu fassen. Ich bin jetzt auch ein Teil des „im Netz konternden Durcheinander“.

Trotz alldem ist es erwähnenswert, wie ausgesprochen lobenswert die Reaktion von der betroffenen Person selber ist. Mein Tipp: Macht es einfach wie Jérôme Boateng und lacht. Lachen tut gut, auch wenn es aus einem wahrscheinlich anderen Grund Herr Gauland leider jetzt auch tut. Für die Zukunft ist es besser, dass wir lachen, als dass uns jemand auslacht. Das Vermindern vom ständigen Stirnkrausen ist eine Vorbeugung von Falten. Und davon hat Deutschland in letzter Zeit viel zu viele dazubekommen.

Autor: Sarah Mohamed

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