2 Kreuzchen für die Jugend

erstellt am: 08.04.2016 | von: Sarah Mohamed | Kategorie(n): Meinung

Schon Willy Brandt debattierte zu dem Thema „Die Jugend und die Politik“, indem er sich 1972 für die Senkung des aktiven Wahlrechts ab 21 auf 18 Jahren durchsetzen konnte. Kurz nach seiner Amtszeit als Regierungschef, begann die Ära „Schmidt“, die ebenfalls sehr prägend für die Geschichte des Wahlrechts war. Denn ab 1975 galt nun auch das passive Wahlrecht für die jungen Menschen ab 18.

Eine alte Debatte wurde von den Medien wieder ins Rampenlicht gedrückt: „Die Senkung des gesetzlichen Wahlalters auf 16 Jahre 2.0“.

Die Wahlberechtigten sollen immer jünger werden.

Die Wahlberechtigten sollen immer jünger werden.

Seit 1996 kann man in Niedersachsen ab dem zarten Alter von 16 Jahren seine Stimme bei der Kommunalwahl abgeben. Heute gilt das auch für neun weitere Bundesländer. Darunter auch Nordrhein-Westfalen. Doch jetzt wird wieder heiß diskutiert, ob das Wahlrecht ab 16 auch auf Landesebene gelten sollte. Ich selber komme aus dem Jahrgang 2000 und bin daher in erster Linie davon betroffen. Daher beschäftigt mich dieses Thema besonders, auch, weil es meiner Ansicht nach eine sehr hohe Priorität hat, seine Stimme abzugeben, wenn man am politischen Geschehen mitwirken will.

Bei genauerer Beobachtung kann man feststellen, dass die Seite der Befürworter mit zunehmendem Alter schrumpft. So sind, laut der Rheinischen Post, 87 Prozent der über 60-Jährigen der Meinung , dass die „politische Volljährigkeit auf Landesebene“ beim aktuellen Alter bleiben sollte.1Mit der Begründung, das Menschen in einem so jungen Alter mehr Schwierigkeiten dabei haben könnten, die komplexen Zusammenhänge in der Politik zu erfassen und einzuordnen, und die Frage in den Raum zu stellen, ob diese überhaupt in der Lage sind, wichtige Entscheidungen in diesem Gebiet zu treffen, machen sie ihre Bedenken und die damit verbundene Meinung deutlich. Irgendwo muss ja eine Grenze gesetzt werden.Was soll danach geschehen? Eine weiterer Antrag auf die Senkung des Mindestalters auf 14 Jahre? Irgendwann dürfen Kinder ab dem ersten ausgefallenen Milchzahn ihre Stimmen der Wahlfee mitteilen, wenn das so weiter geht! Eher unwahrscheinlich.

Es ist verständlich, dass die Jugendlichen sich nun beschweren. Warum sollte ihnen weniger politisches Verständnis zugemutet werden als manchen Erwachsenen? Auch, wenn es höchstwahrscheinlich nicht der Grund ist, warum das Wahlrecht ab 16 eingeschränkt ist. Es steht wahrscheinlicher mit der gesetzlichen Volljährigkeit in Zusammenhang. So ist bei der damals zu Anfang erwähnten Einführung des passiven Wahlrechts ab 18 Jahren zugleich auch die Volljährigkeit auf 18 Jahre gesunken. Kurz gesagt: Volljährig = voll wahlberechtigt. Doch wer sich nur kurz damit beschäftigt hat, weiß, dass die Menschen im höheren Schulalter immer früher lernen müssen, wichtige Entscheidungen zu treffen. So ist es nicht selten, dass dort auch lebensprägende, wie beispielsweise die Wahl der Berufslaufbahn, dabei sind.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Jugend sehr wohl ihre Meinung zum Ausdruck bringen möchte und kann, ist die Existenz von politischen Jugendorganisationen. Die Liste dieser ist lang und die meisten von ihnen sind sehr aktiv.

Trotzdem macht es nur Sinn, der Jugend eine Stimme zu geben, wenn man ihnen auch angepasste und altersgemäße politische Bildungsangebote bietet. Was will man mit seiner Stimme, wenn man nicht einmal das Parteiprogramm richtig versteht, da man in der Schule keinen oder kaum Politikunterricht auf dem Lehrplan stehen hat? Der Auslöser des mangelnden politischen Interesses liegt daher meist nicht bei der Person selber, sondern hängt wahrscheinlicher mit der mangelnden Aufklärung darüber zusammen.

Natürlich kann man jetzt auch noch auf andere Hauptaussagen eingehen, die sich gegen das Wahlrecht von 16- und 17-Jährigen bei den in Zukunft stattfindenden Landtagswahlen ausrichten. Doch das Wichtigste ist, dass erst einmal angesprochen wurde, dass unsere Jugend gar nicht so sehr von der Politik abgeneigt ist, wie die Gesellschaft es oft sieht und sehr wohl einen Teil zu unserer Demokratie beitragen möchte, sodass es auf jeden Fall sinnvoll ist, weiterhin darüber zu debattieren.

Es mag sein, dass mancher jetzt denkt, dass es nicht anders zu erwarten war, dass sich ein Jugendlicher für ein Wahlrecht für Jugendliche ausspricht. Doch müsste etwas Überzeugung dabei empfunden werden, wenn ich noch einmal darauf aufmerksam mache, das die Tatsache besteht, dass dieser Artikel (um es zu verdeutlichen: über ein aktuell-politisches Thema) von einer Jugendlichen verfasst wurde, und somit die oben aufgefassten Gegenargumente in diesem Fall widerlegt.

Meine Position zu dem Thema ist daher eindeutig:

Jugend kann was. Jugend kann auch wählen!

1 Statistik: „Mit 16 an die Wahlurne“ , Rheinische Post vom 05.04.2016

Autor: Sarah Mohamed

Einen Kommentar hinterlassen




Kommentar*

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

zum Seitenanfang
Datenschutz | Impressum | Kontakt

Copyright © 2017 Jusos Mönchengladbach - alle Rechte vorbehalten