Anleitung zum Mutigsein

erstellt am: 16.11.2015 | von: Johannes Jungilligens | Kategorie(n): angemerkt

Es gehört zu den traurigen Wahrheiten dieser Zeit, dass wir aktuell und in den nächsten Wochen und Monaten vermehrt mit Übergriffen auf Flüchtlinge und nicht biodeutsch Aussehende zu tun haben werden. Anzeichen dafür gibt es nicht nur durch die steigenden Zahlen der Medienberichte darüber, sondern auch durch Vorfälle in mehreren Bekanntenkreisen. Auch die schrecklichen Anschläge von Paris haben als Ziel, zu einer Verschärfung der Debatte beizutragen.

Nazis stoppen! © Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Nazis stoppen!
© Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Motiviert durch eine zunehmend flüchtlingsfeindliche Grundstimmung; sich bestätigt fühlend durch Lügen und Halbwahrheiten über Geflüchtete, welche sowohl von Rechtsaußen als auch von bürgerlich-konservativen Kreisen in die Welt gesetzt werden; provoziert von der inzwischen normalen bunten Mischung Bio- und nicht Biodeutscher belassen es Nazis immer häufiger nicht nur bei Pöbeleien und Beschimpfungen, sondern werden handgreiflich. Mit dieser veränderten, aggressiveren Grundstimmung auf der Straße, in Geschäften, in Bus und Bahn müssen wir umgehen. Die Faust in der Tasche ballen und wegschauen reicht nicht mehr – Taten sind gefragt. Angewandte Zivilcourage sozusagen. Daher hier ein paar möglicherweise selbstverständliche Ideen, die wir alle  leider heute, morgen oder übermorgen im Kopf haben sollten – eine „Anleitung zum Mutigsein“:

  1. Zivilcourage enthält bereits den Begriff „Courage“ – Mut ist notwendig und wird von jedem, der die Werte einer offenen, freiheitlichen, antifaschistischen und menschlichen Zivilgesellschaft vertreten will, eingefordert.
  2. In Situationen, in denen verbale oder physische Gewalt gegen Menschen beobachtet wird gilt zuvorderst, Umstehende anzusprechen. Umschauen und ganz einfach mit klaren Worten vertrauenswürdig aussehende Personen ansprechen „Wir sagen da jetzt was zu, okay?“. Sobald zwei (oder mehr) gemeinsam Gegeninitiative ergreifen, wird die Situation deutlich handhabbarer.
  3. Deutlich, laut und klar die Betroffenen ansprechen und ohne Aggressivität in die Situation gehen. Von Beginn an deutlich machen, das derartige Taten oder Worte nicht geduldet werden und versuchen, dies prägnant zu begründen. Die darin enthaltene Botschaft geht weniger an die Nazis (meist sehr argumentationsresistent), sondern vielmehr an die weiteren Umstehenden.
  4. Ankündigen, dass man im Folgenden die Polizei verständigen wird. Dies – je nach Schärfe der Situation – entweder umgehend wirklich tun oder spätestens nach Ende der Situation nachholen (außer wenn die Anspannung der Lage sehr schnell abklingt).
  5. Die Betroffenen räumlich von den Angreifern trennen. Dabei – wie bei allen anderen Schritten – immer an die eigene Sicherheit denken! Keine Schlägerei riskieren, die man nicht gewinnen kann. (Dieser Satz entstand in der Annahme, dass der Großteil der LeserInnen dieses Blogs keine geübten SchlägerInnen sind.)
  6. Zeugen der Situation bitten, am Ort zu bleiben – sowohl für die polizeilichen Aussagen als auch zum Schutz der Personen. Bis zum Eintreffen der Polizei eine geschlossene Gruppe bilden, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.
  7. Vollständige und treffende Zeugenaussage inkl. Beschreibung der Täter abgeben.
Johannes Jungilligens

Autor: Johannes Jungilligens

Johannes ist seit 2009 Mitglied bei den Jusos Mönchengladbach. Er lebt in Mönchengladbach und Bochum (und im Zug) und vertritt sozialdemokratische Werte nach dem Motto "Keiner kann die Welt alleine verändern (und das ist gut so)". Johannes findet, dass mit vielen guten Ideen und vielen, die mitmachen, die Gesellschaft gerechter und offener gestaltet werden kann. "Gleiche Löhne für gleiche Arbeit, faire Aufstiegschancen unabhängig von der Herkunft und freiheitliches Denken als Rahmen für die volle Entfaltung jeder und jedes einzelnen sollten selbstverständlich sein, sind es aber leider nicht. Daran müssen wir arbeiten!"

Einen Kommentar hinterlassen




Kommentar*

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

zum Seitenanfang
Datenschutz | Impressum | Kontakt

Copyright © 2017 Jusos Mönchengladbach - alle Rechte vorbehalten