Victim Blaming – Die falsche Frage!

erstellt am: 04.09.2015 | von: Eva | Kategorie(n): Meinung

Am 10.08.2015 zwischen 00:30 Uhr und 01:00 Uhr wurde in Mönchengladbach in der Nähe des Hauptbahnhofes eine Minderjährige von fünf Männern vergewaltigt. Am 26.08.2015 um 04:15 Uhr wurde eine 49-jährige Radfahrerin in Grevenbroich von einem Mann vom Fahrrad gerissen und sexuell genötigt.

Nachts nur noch mit dem Bus nach Hause? © Sebastian Laumen/fotostock.jusos-mg.de

Nachts nur noch mit dem Bus nach Hause?
© Sebastian Laumen/fotostock.jusos-mg.de

Vor lauter Wut, weiß ich kaum, was ich dazu schreiben soll. Viele Reaktionen auf den Bericht bezüglich der Minderjährigen beinhalteten heftige, vorwurfsvolle Fragen, warum die Eltern nicht aufgepasst haben oder warum das Mädchen zu dieser Stunde noch unterwegs gewesen sei. Als Frau habe man sich um diese Uhrzeit ja nicht mehr draußen aufzuhalten. Daraus schließe ich, dass die Personen, die diese Meinung vertreten, beinahe dem Mädchen selbst die Schuld geben für das, was ihr passiert ist. Ach, so war das nicht gemeint? Schlussendlich bedeutet sie aber eben dasselbe.

Ich weiß nicht, wie andere Frauen und Mädchen die Sache sehen, aber ich finde es ist eine BODENLOSE UNVERSCHÄMTHEIT, mich als Frau oder Mädchen in meiner Freiheit, mich frei zu bewegen, so einzuschränken, meine sexuelle Selbstbestimmung, mein Recht auf körperliche Unversehrtheit und meine Menschenwürde so zu übergehen, mit Füßen zu treten und mir schlicht wegzunehmen.
Das Diskussionsthema darf doch nicht sein, warum eine Minderjährige um halb eins nachts durch die Stadt läuft oder warum ihre Eltern ihr das nicht verboten haben. Das Thema darf auch nicht sein, warum eine Frau sich um diese Zeit noch auf der Straße aufhält. Die Frage ist vielmehr: WARUM kann ich das als Frau nicht? Warum kann ich mich nicht, wie ein Mann auch, ohne Angst zu jeder Tages- oder Nachtzeit zu Fuß auf dem Heimweg befinden oder mit dem Rad unterwegs sein, ohne fürchten zu müssen, an der nächsten Straßenecke direkt in eine Gruppenvergewaltigung mit mir selbst als Hauptdarstellerin hineinzulaufen?
Ihr mögt das hier lesen und denken: Ich bin ein Mann, das geht mich nichts an, ich mache sowas ja nicht! Es geht euch etwas an. Denn ihr alle habt eine Ehefrau, eine Freundin, eine Schwester oder zumindest eine Mutter, denen so etwas wie der Radfahrerin oder der Minderjährigen ebenso passieren kann. Vielleicht denkt ihr jetzt, dass ich übertreibe. Ich aber bin einfach davon überzeugt, dass in dieser Sache die Schuld im Grunde genommen immer bei den falschen gesucht wird: nämlich bei den – weiblichen – Opfern. Das darf einfach nicht sein!

Seien wir mal ehrlich: Das vergewaltigte Mädchen hätte auch 10 Jahre alt sein können, oder – wie die Radfahrerin – 49 Jahre alt, oder 67, 35, 58, 22. Dann wäre ihr wohl kaum ein anderes Schicksal zu Teil geworden.

Hört auf darüber zu diskutieren, warum eine Frau „dieses Risiko eingeht“. Befasst euch lieber mit der traurigen, erschreckenden und erschütternden Tatsache, dass wir solche kranken Schweine in unserer Gesellschaft haben und tragt dazu bei, dass so etwas nicht mehr passiert!

Eva

Autor: Eva

Evamaria ist seit 2012 Mitglied bei den Jusos Mönchengladbach und dort im Vorstand tätig. Sie lebt in Mönchengladbach und studiert in Duisburg "öffentliche Verwaltung". Evamaria ist der Meinung, dass rechtsextrem oder schlichtweg menschenfeindliche Ideologien und Lebensweisen in unserer Geellschaft nichts zu suchen haben. Jedem sollte die Chance auf ein glückliches und selbstbestimmtes Leben gegeben werden, frei von Angst und Gewalt. Und das unabhängig von Geschlecht, Alter, Ethnie, Religion, Sexualität, politischer Überzeugung, Meinung oder sonstiger individueller Eigenschaft!

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