Deutschland brennt

erstellt am: 22.08.2015 | von: Johannes Jungilligens | Kategorie(n): Meinung

Scheißt auf die großen Worte; scheißt auf das „der Verantwortung gerecht werden“, auf das „Demokratie stärken“, auf all das Gelabere. Deutschland brennt. Deutschland brennt heftigst und im wahrsten Sinne des Wortes. In Freital, in Escheburg, in Freiberg, in Tröglitz, in Limburghof, in Meißen, in Lübeck, in Reichertshofen, in Wuppertal, in Sonneberg. Und das sind nur die tatsächlichen Brandanschläge im Jahr 2015; daneben existieren weitere Arten von Anschlägen, Sabotagen, Beschädigungen. Die Liste von Anschlägen auf Asylbewerberheime in Deutschland hat inzwischen ihren eigenen Wikipedia-Artikel und berechtigterweise gibt es keinerlei Diskussion über seine Relevanz.

Deutschland brennt.  © Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Deutschland brennt.
© Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Heute Nacht brennt Heidenau. Morgen ist es irgendein anderes Kaff in Sachsen. Oder in Nordrhein-Westfalen. Polizei und Nazis liefern sich Straßenschlachten. Und es sind fucking Nazis, scheiß Rechtsextremisten; keine „Asylkritiker“. „Asylkritisch“ ist der wohl ekelhafteste Euphemismus des Jahres. Jeder, der das Recht auf Asyl in Frage stellt, ist ein Arschloch. Fertig. Und ab jetzt muss mit diesen Arschlöchern auch entsprechend umgegangen werden. Brandstifter – von CDU bis NPD – gehören in der politischen Debatte geächtet.

Der antisoziale Diskurs der Union

Der antisoziale Diskurs der Union ist mit Schuld an den Eskalationen dieser Zeit. Wer mittelmäßig versteckte Behauptungen über „massenhaften Asylmissbrauch“ in den Raum stellt, liefert damit den Nazis Argumente. Wer Angst vor einer „Welle“, einem „Zustrom“, einer „Schieren Masse“ von Flüchtenden schürt, beschreibt Menschen in Begrifflichkeiten einer gefährlichen Naturgewalt und reicht damit dem etwas aktiveren Part der rechten Szene das Feuerzeug.

 

 

 

Brandstiften so vor sich hin: CDU und CSU. © Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Brandstiften so vor sich hin: CDU und CSU.
© Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Die Kommunikationsstrategie der Union ist ganz einfach: Ich stelle eine Behauptung in den Raum, in dem ich sie beiläufig als Teil einer Argumentation nutze und stelle sie damit so dar, als wäre sie konsensuale Basis einer Diskussion.  Würde man beispielsweise sagen: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Junge Union Frauen schlägt“, so sagt man damit keineswegs, dass die Junge Union tatsächlich Frauen schlägt. Aber das gedankliche Konstrukt „Die Junge Union schlägt Frauen“ steht erst einmal im Raum. So geistern Behauptungen so lange unterschwellig durch die mediale Öffentlichkeit, bis sie nicht mehr auffallen und tatsächlich Konsens werden: Asylmissbrauch, nicht zu bewältigende Massen an Flüchtlingen, etc. Und wenn man sich dann nicht darum kümmert, diese Behauptung zu widerlegen, kann sie jeder für seine Zwecke nutzen. Und zwar jeder auf seine Art.

Deutschland brennt. Und es gibt so viele Schuldige. Jeder, der jetzt nichts sagt, ist schuldig.

Angela Merkel verspielt die Legitimation ihrer Kanzlerschaft

Was sich lustig liest, ist gar nicht so witzig. Angela Merkel verweigert sich jeder öffentlichen Debatte über die aktuelle Situation. Sie sagt nichts zu brennenden Flüchtlingsunterkünften, zu verdreifachten Zahlen von rechtsextremen Anschlägen auf Asylbewerberheime. Sie lässt unfassbare Äußerungen aus ihrer Partei unkommentiert und schwebt – wie meist – über allem. Aber ein brennendes Land lässt sich nicht aussitzen. Wenn es eine moralische Legitimation einer Kanzlerschaft gibt, dann hängt diese unter anderem an der Frage, ob man sich dazu bequemt, zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen mal was zu sagen oder nicht.

Deutschland brennt und Angela Merkel schweigt. Die Welt zu Gast bei Arschlöchern.

Johannes Jungilligens

Autor: Johannes Jungilligens

Johannes ist seit 2009 Mitglied bei den Jusos Mönchengladbach. Er lebt in Mönchengladbach und Bochum (und im Zug) und vertritt sozialdemokratische Werte nach dem Motto "Keiner kann die Welt alleine verändern (und das ist gut so)". Johannes findet, dass mit vielen guten Ideen und vielen, die mitmachen, die Gesellschaft gerechter und offener gestaltet werden kann. "Gleiche Löhne für gleiche Arbeit, faire Aufstiegschancen unabhängig von der Herkunft und freiheitliches Denken als Rahmen für die volle Entfaltung jeder und jedes einzelnen sollten selbstverständlich sein, sind es aber leider nicht. Daran müssen wir arbeiten!"

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4 Kommentare zu „Deutschland brennt“

  1. Jan-Benedict Glaw sagt:

    Danke für die direkten, klaren und ehrlichen Worte. Eine seltene Freude, daß so hart benannt wird, was so hart benannt werden muß!

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  2. Patrick sagt:

    Die SPD ist genauso am regieren und auch nicht besser.

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  3. Thomas sagt:

    Und, was sagt ihr zu Bausewein?
    Ja, kleine Partei, unter ‚ferner liefen‘, aber trotzdem.
    Ich find das, wenn es aus Neukölln käme, auch nicht besser.

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