Semesterticket – Der Kampf der Gerechten

erstellt am: 19.01.2015 | von: Johannes Jungilligens | Kategorie(n): Meinung

Eine Sache müssen wir mal ganz am Anfang feststellen: Als Studierender hat man es ganz schön gut. Nicht im Sinne von „Ich mache nur was ich will“ oder „Ich weiß nicht wohin mit dem Champagner, wenn ich gleichzeitig den Kaviar halten soll“. Eher im Sinne einer Abwesenheit größerer Probleme und existenziell bedrohlichen Herausforderungen. Ja, Klausurphasen sind nicht so richtig geil, ja, die Verschulung der Studiengänge ist nicht der Königsweg und ja, wahrscheinlich hatten die Studierenden damals™ mehr Freiheiten. Trotzdem muss man feststellen: Wer als Studierender über seine Lebensumstände meckert, tut dies möglicherweise berechtigt, doch meist auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Und das ist auch gut so – wer würde Studierenden schon Schlechtes gönnen?

Nächste Haltestelle: Hochschule.  © Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Nächste Haltestelle: Hochschule.
© Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Eine der Sachen, die das Leben als Studierender zumindest im schönen Nordrhein-Westfalen leichter machen, ist das Semesterticket. Mit dem Semesterticket kann man für ein halbes Jahr den gesamten öffentlichen Nahverkehr in ganz NRW nutzen, wochentags ab 19 Uhr und am Wochenende durchgehend eine weitere Person zumindest im für die Uni zuständigen Verkehrsverbund mitnehmen, in jedem Bus, jeder Straßenbahn und jedem Nahverkehrszug. Geiler Scheiß. Aber nicht nur geiler Scheiß und praktisch, sondern für viele Studierenden auch unabdingbar, da sich nicht nur die Fahrten von und zur Uni, sondern auch ein Großteil der sonstigen Mobilität auf dieses Ticket stützen kann. Ich bin persönlich sehr dankbar, dass es dieses Ticket gibt.

Warum gibt es dieses Ticket? Vor geraumer Zeit haben die im Landes-ASten-Treffen zusammengeschlossenen Studierendenvertretungen mit den Verkehrsverbünden die Konditionen dieser Tickets ausgehandelt. Der AStA jeder Hochschule kann demnach mit dem zuständigen Verkehrsverbund einen Vertrag abschließen, der dann für alle Studierenden dieser Hochschule gültig ist. Damit kann auch der Preis (dazu unten mehr) des Tickets erklärt werden: Alle Studierenden einer Hochschule bezahlen für das Ticket, obwohl es nicht alle nutzen – Auto, Fahrrad oder ganz old school zu Fuß kommt man ja auch voran. Das Ticket ist also nach dem Solidaritätsprinzip finanziert, ebenso wie – zumindest grundlegend lässt sich diese Analogie ziehen – der Sozialstaat.

Wie funktioniert das Semesterticket?

Das Semesterticket wird – wie oben beschrieben – nach dem Solidaritätsprinzip finanziert. Die dadurch erzielten Beträge sind aber (wie in quasi allen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge) nicht kostendeckend, das Ticket wird also subventioniert. Im Falle des VRRs (Verkehrsverband Rhein-Ruhr), aber auch bei vielen anderen Verkehrsverbünden wird dies über die dem Verbund zugehörigen Kommunen geleistet. Dies geschieht nach der Logik der Zusammensetzung des VRRs: Die Kommunen finanzieren den ÖPNV und haben dementsprechend auch über die von ihnen entsandten Vertreter Mitspracherecht im VRR-Rat. Der durch den Preis der Tickets geleistete Deckungsgrad liegt derzeit bei unter 50% der Kosten – dies ist allerdings über alle Arten von Tickets gerechnet und gilt nicht für das Semesterticket. Wer bezahlt die anderen 50%, damit der Zug fahren kann? Die Kommunen. Mönchengladbach zahlt beispielsweise jährlich ca. 15 Mio. € an den VRR, wer die finanzielle Lage der sich im Haushaltssicherungskonzept befindlichen Städte vor Augen hat weiß, wie ungut so etwas im städtischen Haushalt unterzubringen ist. Das ist auch der Grund dafür, dass die Preissteigerungen der letzten Jahre quasi 1:1 an die Kunden weitergegeben wurden – mehr zu bezahlen ist auf Seiten der Kommunen einfach nicht drin. Das ist sehr uncool, aber leider eine Tatsache. Die Kommunen haben also ein starkes Interesse daran, den Kostendeckungsgrad des ÖPNV zu erhöhen. Gleichzeitig begreifen sie sich (zumindest sollten sie das) als allen Bürgerinnen und Bürgern gegenüber verpflichtet, eine möglichst gute öffentliche Daseinsvorsorge zu bieten, auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis her.

Was ist also das Problem?

Der VRR hat nach eigenen Angaben eine Studie durchgeführt, deren Ergebnis zeigt, dass nicht – wie zu vor angenommen – ca. 38% der Studierenden das Semesterticket

Wie meistens: Das Problem liegt beim Geld.  © Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Wie meistens: Das Problem liegt beim Geld.
© Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

nutzen, sondern ca. 60%. Letztere Zahl würde sich auch mit meinen Einschätzungen decken. Die Frage, wie man sich als einwohnerstärkster Verkehrsverbund im größten Nahverkehrsballungsraum Europas derartig verschätzen konnte, ist sehr berechtigt. Auf Grundlage dieser Gegebenheit und dem Willen den Kostendeckungsgrad zu erhöhen hat der VRR beschlossen, die Preise des Semestertickets anzuheben. Dazu hat er 2013 den Vertrag mit den ASten zum Wintersemester 2015/16 gekündigt. Quasi im selben Atemzug hat der VRR dann (immer noch 2013) einen Entwurf für einen neuen Vertrag vorgelegt, der sukzessive Kostensteigerungen um 43% vorsah – damit wäre ein Kostendeckungsgrad erreicht worden, der dem anderer Tickets entspricht.

Dieser Vorschlag sowie der ganze Vorgang an sich ist erwartbarer- und verständlicherweise bei den Studierendenvertretern nicht grade auf Gegenliebe gestoßen. Proteste, Besuche von Aufsichtsratssitzungen etc. folgten. Kritikpunkte: Neben der Preissteigerung an sich auch die Kommunikationspolitik des VRR, der die ASten ohne Diskussion vor vollendete Tatsachen stellt und in einer „Friss oder stirb“-Manier die Studierenden vor die Wahl stellt, entweder den neuen Vertrag anzunehmen oder ohne Semesterticket dazustehen. Die Proteste zeigten Wirkung: Der VRR hat  2014 ein neues Angebot vorgelegt, dass bis heute gilt: Demnach soll der Preis des Semestertickets bis 2020 um ca. 20% nach folgender Logik ansteigen:

  • Der Preis von derzeit 110,60€/Semester wird im WS 2015/16 monatlich um 2€ erhöht
  • Danach soll ab dem Sommersemester 2016 pro Monat eine Preissteigerung von 0,45€ folgen

Dies entsprich insgesamt bis 2020 einer Preissteigerung von ca. 3,80€/Monat, das Ticket würde dann also 133,40€/Semester statt 110,60€/Semester bzw. 22,16€/Monat statt 18,36€/Monat kosten.

Auch davon sind weder die Studierenden im Allgemeinen noch die ASten im Besonderen begeistert. Unter dem Motto „So nicht, VRR!“ läuft seit einigen Monaten eine Kampagne sowie mehrere von den ASten organisierte Diskussionsrunden mit Vertretern des VRR, meist mit dem Aufsichtsratsvertreter José Luis Castrillo. Ergebnisse bisher: Dem allgemeinen Frust wird Luft verschafft, die angebrachte Kritik wird angebracht, der Vertragsentwurf bleibt absolut unverändert und liegt als einzige Alternative zum ticketlosen Studierenden ab Sommer 2015 auf dem Tisch.

Das ist ärgerlich.

Ärgerlich, weil das Ticket teurer wird; ärgerlich weil der VRR nicht diskutiert, sondern Fakten schafft; ärgerlich aus vielen anderen kleineren Gründen.

Aber auch ärgerlich, weil die ASten seit Monaten auf dem Rücken der Studierenden den Kampf der Gerechten gegen das böse Monster VRR kämpft. Beseelt von einem festen Glauben an die eigene moralische  Überlegenheit. Im Namen der Studierenden gegen den Vertragsentwurf des VRR! Leider ist der Balance-Akt zwischen der Tatsache, dass auf

Bevor der letzte Zug abgefahren ist...  © Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Bevor der letzte Zug abgefahren ist…
© Sebastian Laumen/fotostock.jusos-mg.de

der einen Seite die Mehrheit der Studierenden das Ticket nicht nur will, sondern essentiell braucht und man dazu auch noch ziemlich genau NULL Druckmittel gegen den VRR in der Hand hat und die ASten auf der anderen Seite aber Stärke gegenüber dem VRR zeigen wollen, nicht grade einfach. Und so erscheinen die Aktionen oft als Aktionismus. Ich möchte aber Studierendenvertreter, die die Belange Studierender vertreten. Ich möchte keine Studierendenvertreter, die ernsthaft das Wegfallen des Semestertickets in Erwägung ziehen, nur weil der VRR nicht so mit ihnen gesprochen hat, wie sie sich das vorstellen. Bei jeder Diskussion mit AStA-Vertretern zu diesem Thema höre ich im Hinterkopf die Simultanübersetzung der Argumentation als quängeliges „Aber der VRR hat uns unser schönes Spielzeug weggenommen und jetzt will der das nur wieder hergeben, wenn wir ihm dafür unsere Schäuffelchen und unseren Sandkasteneimer geben :'(„.

Bei allem (meinerseits wirklich vorhandenen) Respekt vor der oft unbeachteten, ungewürdigten harten Arbeit der ASten für mich und andere: Wer jetzt denkt, sein großer Moment sei gekommen, weil jetzt endlich mal ein griffiges Thema emotional wie medial hochkocht und er endlich die Fahne der studentischen Revolution gegen die Paläste der Verkehrsbetriebe in den Himmel reißen kann: Nein. Ich möchte das nicht. Ihr werdet mit Anlauf auf die Fresse fliegen; spätestens bei den Urabstimmungen an den Hochschulen dieses Landes, an denen die unglaublich große Mehrheit der Ticketnutzer für den Vertrag stimmt, gegen den ihr kämpft. Und das gönne ich euch nicht, das habt ihr nicht verdient.

Fakten

Denn lasst uns mal Fakten sammeln:

  • Das Ticket ist vom Preis-Leistungsverhältnis her unschlagbar, auch mit Preissteigerung. Ja, dieser Punkt wird unter der Prämisse fehlender Vergleichbarkeit mit anderen Tickets gerne außen vorgelassen, der Fakt, dass es (auch bei herausgerechnetem Solidaritätsprinzip) kein vergleichbar günstiges Ticket gibt, stimmt aber ganz einfach: Das YoungTicketPLUS kostet 93,30€/Monat (5 mal mehr, als das Semesterticket jetzt, 4,5 mal mehr als das preisgesteigerte Semesterticket). Das Soziallticket, auf das Transferleistungsempfänger ein Anrecht haben, kostet 30,90€/Monat nur für die Preisstufe A, also innerstädtische Fahrten.
  • Das Argument, dass Studentierende finanziell eh schlecht gestellt ist, stimmt zwar, ist aber im Vergleich zur Betrachtung des Sozialtickets hauptsächlich zynisch: Der Regelsatz für ALG II („Hartz IV“) beträgt 399€/Monat, wovon dann 7,74% für das 30,90€ teure Sozialticket ausgegeben werden müssen. Studierenden NRW stehen laut den Studentenwerken NRW durchschnittlich 886€/Monat zur Verfügung, davon müssen 2% bzw. nach der Preissteigerung 2,5% für das Semesterticket ausgegeben werden. Auch bei Betrachtung der BAföG-Sätze sind die prozentuellen Anteile nicht gigantisch: Beim Höchstsatz (ab 2016) von 735€ sind es 3,7%, beim derzeitigen Durchschnitt von 443€ knapp 5%. Auszubildende verdienen im Schnitt 802€/Monat, das für sie günstigste Ticket verschlingt mit 93,30€/Monat ganze 12%. Das Studierendenticket ist – Solidaritätsprinzip hin oder her – auch nach der Preiserhöhung das mit Abstand günstigste Ticket, egal ob im Vergleich der puren Kosten oder der Einkommen/Kosten-Verhältnisse.
  • Würde der Vertrag tatsächlich nicht unterschrieben, wäre also die günstigste Alternative mit vergleichbarem Leistungsumfang das YoungTicketPLUS für 93,30€/Monat in der Preisstufe D. Nicht vergessen: Das Semesterticket kostet derzeit 18€/Monat, nach der Preissteigerung 22€/Monat.
  • Ein von den ASten wiederholt vorgebrachter Argumentationspunkt ist, dass der Wegfall des Tickets auch dem VRR schaden würde, schließlich ginge es auch für diesen um viel Geld, dass im Zweifelsfall wegfiele. Das passt beim besten Willen nicht mit der parallel gefahrenen Argumentation, dass viele Studierende das Ticket unbedingt bräuchten, unter einen Hut: Wenn das Ticket essentiell für die Studierenden ist (ist es meiner Meinung nach), dann werden sie im Notfall zum nächst teureren Ticket greifen, und 99,30€/Monat zahlen. Selbst wenn nur 25% der Studierenden das täte, hätte der VRR mehr Geld eingenommen als mit dem (nach der Preissteigerung) 4,5mal günstigeren, von 100% der Studierenden bezahlten Semesterticket.
  • Semesterticket-Nutzer werden als Akademiker  in ihrem Leben mit deutlich erhöhter Wahrscheinlichkeit finanziell besser gestellt sein, als all diejenigen, die keinen Anspruch auf das Semesterticket haben. Ja, für den Moment sind Preissteigerungen scheiße. Im Gesamtkontext gesehen sind sie nicht Teil eines größeren Problempaketes, dass den Kampf für soziale Gerechtigkeit so notwendig macht.
  • Der Wegfall würde nur diejenigen bestrafen, die das Ticket unbedingt brauchen; andere (die derzeit quasi den „Solidaritätsbeitrag“ für das Ticket zahlen, ohne es zu nutzen) würden davon profitieren. Unter anderem deshalb habe ich ein bisschen Angst vor der eventuellen Urabstimmung: Die (laut der VRR-Untersuchung) ca. 40% der Studierenden hätten einen geldwerten Vorteil vom Wegfall; dies gepaart mit einer zu befürchtenden einseitigen Informationspolitik der ASten und ungewisser Wahlbeteiligung kann schnell zu einem sehr unrühmlichen Ergebnis führen.

Die ASten verwenden also seit über einem Jahr einen Großteil ihrer Energie darauf, eine im relativ moderate Preissteigerung des dann im Vergleich zu Alternativen immer noch günstigen Tickets zu bekämpfen; immer mit dem Wissen, dass der VRR mit dem von den Kommunen ersonnenen Auftrag im Rücken wohl kaum ein abweichendes Angebot vorlegen wird; präsentieren sich dabei wie verärgerte Kleinkinder, die basierend auf einer (tatsächlich frustrierenden) Kommunikationspolitik des VRR eingeschnappt sind und sich damit in ihrer Glaubwürdigkeit bzgl. Verhandlungstaktik immer weiter ins Abseits stellen. Dies könnte im schlimmsten aller Fälle zu einem von beiden seiten verursachten Scheitern des Semestertickets führen, was nur denen nützen würden, die das Ticket eh nicht benötigen würden.

Von daher

Liebe ASten, ich habe als Student und als politisch engagierter Mensch sehr viel Verständnis für die von dem asozialen Verhalten des VRR verursachte Frustration. Bitte begebt euch trotzdem nicht in die Situation, in der ihr die Privilegien einer gesellschaftlichen Minderheit so erbittert zu verteidigen versucht, dass ihr euch in der Falle des gerechten Kampfes gegen Selbige stellt.

Johannes Jungilligens

Autor: Johannes Jungilligens

Johannes ist seit 2009 Mitglied bei den Jusos Mönchengladbach. Er lebt in Mönchengladbach und Bochum (und im Zug) und vertritt sozialdemokratische Werte nach dem Motto "Keiner kann die Welt alleine verändern (und das ist gut so)". Johannes findet, dass mit vielen guten Ideen und vielen, die mitmachen, die Gesellschaft gerechter und offener gestaltet werden kann. "Gleiche Löhne für gleiche Arbeit, faire Aufstiegschancen unabhängig von der Herkunft und freiheitliches Denken als Rahmen für die volle Entfaltung jeder und jedes einzelnen sollten selbstverständlich sein, sind es aber leider nicht. Daran müssen wir arbeiten!"

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Kommentar*

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10 Kommentare zu „Semesterticket – Der Kampf der Gerechten“

  1. Odenthal Odenthal sagt:

    Es handelt sich unterm Strich um eine Bildungshürde, vor allem für Minderheiten, u.U. aus anderen Ländern, die ohne jegliche Unterstützung auskommen müssen.Zumal der VRR die Preiserhöhung ja nicht begründet. Es kann weder Ziel der SPD noch der Jusos sein, dass es zwingend notwendig ist, neben einem VOLLzeitstudium, einer Zeit wo man auf Geld fast verzichten muss, arbeiten zu müssen.

    Wenn jemand durch Stipendien von der Industrie oder von der Oma aus der Schweiz gefördert wird, dann sei es so – es geht um die Bildungshürde. zum Ticket kommen ja schließlich sämtliche andere Kosten wie wohnen etc die mit BaFög bezwungen werden – wenn man es bekommt.

    Man kann von einem Vollzeitstudenten nicht erwarten Geld zu besitzen, das ist absurd. Wenn man schon den Kompromiss eingeht, bis mitte 30 keine Grundlage und Basis zu bilden, wäre es zumindest politische Aufgabe, unterstützt zu werden.

    Ich könnte auf diese Weise fast alle im Blog genannten Aspekte ankreiden, da die oft nicht objektive Haltung eine Meinung suggeriert, die imho nur bei Studenten anklang findet, die tatsächlich Geld haben. Ich habe vom Ticket gar nichts, will es trotzdem behalten, mindestens für die netten Leute aus der Partnerhochschule der HsNr in Burkina Faso, die oft richtig Schwierigkeiten haben.

    De facto bin ich gerade in der Prüfungsphase, und weil ich morgen arbeiten MUSS und dann nicht lernen kann, mache ich das jetzt 😉

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    • Johannes Jungilligens Johannes Jungilligens sagt:

      Wenn es sich de facto um eine Bildungshürde handelt (kann man drüber diskutieren), dann wäre der einzig logische Weg, konsequent für ein kostenfreies Semesterticket einzutreten.

      Über 50% der Studierenden arbeiten neben dem Studium, davon verdienen über 75% mehr als 250€ im Monat. Ich fände es auch besser, wenn das nicht sein müsste. Ich glaube aber nicht, dass es beim Kampf um das Semesterticket darum geht. Weil es – und das muss man so sagen – nur 4€ im Monat mehr sind. Ich persönlich habe ein meiner Einschätzung nach recht anspruchsvolles Studium, engagiere mich intensiv politisch und habe drei Nebenjobs, um an ca. 450€/Monat zu kommen. Das passt mit etwas Organisationstalent durchaus unter einen Hut. Ich kenne Studenten, die mehr Zeit als ich für die Uni aufwenden müssen, ich kenne aber auch viele, die weniger Zeit aufwenden. Ich finde es nicht zu viel verlangt, in dieser Zeit einem Nebenjob nachzugehen.

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  2. Peter sagt:

    Ich stimme deinem Eingangsstatement nicht zu. Wir erhalten keinen Lohn für unsere (freiwillig gewählte) Hauptbeschäftigung, daher kann man hier noch nicht von hohem Niveau sprechen. Die Hoffnung ist ja, dass sich das später ändert. Laut deinem Link werden 85 Prozent der Studierenden noch von ihren Eltern unterstützt; im Schnitt durch über 470 Euro im Monat. Das ist erstmal ein Abhängigkeitsverhältnis.

    Außerdem eine Korrektur:Die Mitnahmeoption bezieht sich nur auf das VRR-Bereich, nicht auf das gesamte NRW-Ticket.

    Inhaltlich unterstütze ich aber deinen Punkt; ein Wegfall des Tickets ist undenkbar und würde zu zahllosen Konsequenzen und Komplikationen führen, derer sich einige Studierendenvertreter scheinbar nicht bewusst sind.

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    • Johannes Jungilligens Johannes Jungilligens sagt:

      Das Eingangsstatement mag objektiv nicht für 100% der Studierenden gelten, es gilt aber für viele.

      Wir verdienen als Studenten kein Geld, das ist richtig, allerdings investieren wir quasi das hypothetische Gehalt, welches wir eigentlich derzeit bekämen, in die eigene Zukunft. So sehe ich das zumindest.

      Ich finde es wichtig, den Kontext des Blogbeitrages im Kopf zu behalten: Ich war und bin immer gegen Studiengebühren, ich war und bin für möglichst niedrigschwelligen Zugang zu Hochschulen, ich bin gegen finanzielle Belastung der Studierenden. Ich finde es nur irgendwie irritierend, wie die 3,80€/Monat zu einem riesigen Problem aufgebauscht werden.

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      • Jan sagt:

        Der finanzielle Aspekt ist letztendlich auch nicht das tragische an der ganzen Sache.

        Viel schlimmer wiegt für mich, wie aus dem Beitrag ersichtlich, dass offensichtlich seitens des ÖPNV/VRR oder wer auch immer da konkret in Verhandlungen steht, eine Abschaffung des Semestertickets überhaupt im Raum steht.

        Warum ein solches Semesterticket kein Thema ist, mit dem sich die Gesetzgebung konkret beschäftigt, ist mir bisher fremd. Aber meiner bescheidenen Meinung nach sollte hier ein Kontrahierungszwang für den ÖPNV bestehen, sodass eine Abschaffung des Tickets gar nicht in Frage kommen kann und somit als Nebenfolge auch nicht als Druckmittel gegen die AStAs missbraucht wird.

        Wie bereits gesagt, es geht hier weniger um den kokreten Betrag, als ums Prinzip. Warum muss man sich überhaupt an den Studenten gütlich halten? Warum diese Art der Verhandlung?
        Warum kann man bspw. beim BAföG keine Regelung zur Bezuschussung finden oder die Kommunen von Landesseite besser finanzieren? Genug Raum wäre im Haushalt wohl recht bequem, wenn ich hier nicht doch unterinformiert bin.

        Warum gibt es überhaupt Vertragsverhandlungen? Das ist doch albern, weil offensichtlich ein riesengroßes Machtgefälle zwischen AStas und ÖPNV besteht.

        Dass die zuständigen Leute beim ÖPNV keine wirtschaftlichen Hardliner sind, ist mir auch klar, theoretisch könnten die weitaus größere Forderungen stellen, gemessen an Ihrer vollkommen ungerechten Verhandlungsposition. Ganz schamlos wird das ganze also hier nicht ausgenutzt.
        Allerdings genug, um den AStA-Vertreter/innen ihre eigene Handlungslosigkeit bewusst zu machen, durchzusetzen, was sie wollen und gleichzeitig als vernünftig und entgegenkommend dazustehen. Für mich ist das insbesondere in Verbindung mit den äußerst intransparenten vorgelegten Zahlen und Statistiken reine Verhandlungsstrategie. Und das dürfte eigentlich bei einem Thema solchen Zusammenhangs nicht sein.

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  3. Jan sagt:

    Ein pragmatischer Ansatz, der im Ergebnis (leider) richtig ist – ein Wegfall des Semestertickets grenzt an eine Katastrophe – ansonsten aber auch ein wenig undifferenziert und einseitig.

    Mich würde etwa interessieren, wie der Umfang der Nutzung des Semestertickets aussieht. 60% nutzen es, aber die Art und Weise wird nicht näher beschrieben. Ist es lediglich die Straßenbahn/der Bus, um 3 Haltestellen vom Studentenwohnheim zur Uni zu pendeln oder sind es täglich 3 Stunden öffentlicher Nahverkehr von Gelsenkirchen nach Düsseldorf? Lange nicht jeder nutzt die Vorteile des Tickets in vollem Maße aus. Vor diesem Hintergrund ist der tatsächliche Gewinnverlust/Kostenausgleich des ÖPNV zu relativieren.

    All das müsste man auch im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Durchschnittseinkommen von beinahe 900€ im Monat haben. Ich kenne die Zusammensetzung dieser Zahl hier im Einzelnen nicht, jedoch hat die sehe große Mehrheit in meinem Bekanntenkreis bei weitem nicht so viel zur Verfügung. Wie gesagt, ohne die Zahlen zu kennen, kann ich mir vorstellen, dass bspw. die oberen 5-10% den Schnitt gehörig nach oben ziehen, oder dass hier noch Sachen wie Büchergeld o.ä. mit einberechnet werden, deren Bestimmung und auch Notwendigkeit bereits weitgehend verplant sind.
    Dazu ist auch zu beachten, dass viele Student/innen neben einer durchaus fordernden Hauptbeschäftigung – dem Studieren – die dazu noch sehr ungewisse Zukunftsaussichten mit sich bringt, noch arbeiten gehen müssen, um auf diese mir immer noch schleierhaften 900€ zu kommen.

    Des weiteren ist zu beachten, dass Azubis aufgrund der Natur ihrer Ausbildung häufig keine zentralen Institutionen besuchen müssen und somit das Erfordernis eines YoungTicket o.ä. auch häufig entfällt, da Ausbildungsplätze zu großen Teilen vor Ort gesucht werden.
    Hier ist aufgrund des weiten Feldes „Azubi“ auch von den weitaus häufigeren Berufsfeldern auszugehen: Schlosser/in, Kfz-Mechaniker/in, Bäcker/in, Elektroniker/in, Verwaltungsfachangestellte/r, usw. usf.. In der Regel sucht man hier vor Ort Ausbildungsplätze, einfach weil vor Ort in der Regel auch eine entsprechende Nachfrage besteht. Auch wirtschaftlich vorzugswertere Ausbildungen wie Bankkauflehren o.ä. können großteils vor Ort absolviert werden. Wohnt man allerdings in Viersen oder Schwalmtal muss man für Jura, Medizin oder Lehramtsstudiengänge mindestens nach Düsseldorf, Köln oder Aachen, für Oecotrophologie o.ä mindestens nach MG oder Krefeld. Durch (verständliche) Zentralisierung akademischer Lehreinrichtungen ist der Bedarf an öffentlichem Nahverkehr für Studenten im Mittel (nicht immer!) somit höher.

    Vor diesem Hintergrund, als auch vor jenem, dass häufig eine Doppelbelastung von Student/innen vorliegen sollte man sich zuletzt insbesondere fragen, ob hier eine ökonomische Erörterung überhaupt angebracht ist.
    Ich bspw. lebe noch in MG, studiere in Düsseldorf. Düsseldorf ist eine recht teure Stadt, ich selber kann es mir (trotz Nebeneinkommens) nicht wirklich leisten, dort hinzuziehen. Möglich ist vieles, irgendwie könnte ich das schon selbst finanzieren, irgendwie könnte ich das auf die Reihe bekommen, aber aus MG/von zuhause aus ist das Gesamtpaket einfach besser. Und darf ich diesen Vorteil, der mir u.a. durch das Semesterticket offen steht, nicht ausreizen? Oder ist es doch tatsächlich in akademischer Dekadenz begründete Lethargie, dass ich mich nicht mit einem für mich weniger „komfortablen“ Gesamtpaket abfinden möchte? Und dieser Gedanke geht von der mittleren Mittelschicht aus, noch viel, viel schwerer fallen hier diejenigen ins Gewicht, denen ein Studium ohne das Semesterticket gar nicht erst offen stünde. Ist nicht gerade eine möglichst breite und weiträumige Bildung – und darunter fällt insbesondere auch der Zugang zu dieser- eine der Maximen unserer Gesellschaft? Gerade hier, insbesondere bei dem Zugang zu höherer Bildung kann es doch nicht auf ökonomische Hintergründe ankommen.

    An dieser Stelle weise ich auf die eingangs getätigte Aussage hin, dass ich im Endergebnis durchaus zustimme(n muss), mir kommt es hier allerdings auf die getätigte Argumentation an, die in der Form für mich nicht gerechtfertigt ist. Eine ökonomische Herangehensweise ist nicht nur inhaltlich fragwürdig (Studenteneinkommen, etc.) sondern verbietet sich hier von vornherein, diese Frage sollte rein dogmatisch behandelt werden.

    Insofern ist es schlichtweg un- und asozial vom ÖPNV die Abschaffung des Semestertickets als Damoklesschwert über die Köpfe der Kontrahenten von den etwaigen AStAs zu halten und der Körperschaft der Student/innen ob ihrer „Machtlosigkeit“ ins Gesicht zu lachen, statt den Dialog zu suchen ohne eine Abschaffung des Tickets als Möglichkeit in den Raum zu stellen.

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    • Johannes Jungilligens Johannes Jungilligens sagt:

      Bezüglich der Zahlen des VRR bezüglich der Nutzung stehe ich leider vor dem selben Rätsel wie du, auch ich hätte gerne genauere Angaben über das, was als „Nutzung“ gilt; bzw. ab wie viel Nutzung man in die Statistik hereinrutscht. Geht man jedoch davon aus, dass der VRR bei der Schätzung (Ergebnis 38%) und der Untersuchung (60%) die gleichen Kriterien angesetzt hat (was ich nicht belegen kann, ich weiß das schlicht nicht), so ist das letztendliche Cut-Off-Kriterium aber eigentlich unerheblich.

      Bitte versteh mich nicht falsch: Ich wollte mit dem Artikel nicht aussagen, dass die finanzielle Belastung Studierender vollkommen egal ist; ich wollte eher auf den Punkt heraus, dass der Umfang der Erhöhung die Wucht der Beschwerden nicht rechtfertigt. Ich meinte mit dem Beitrag: Ich habe das Gefühl, dass der finanzielle Aspekt der Sache hochgekocht wird, weil die Kommunikation des VRR so scheiße ist.

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      • Jan sagt:

        er finanzielle Aspekt ist letztendlich auch nicht das tragische an der ganzen Sache.

        Viel schlimmer wiegt für mich, wie aus dem Beitrag ersichtlich, dass offensichtlich seitens des ÖPNV/VRR oder wer auch immer da konkret in Verhandlungen steht, eine Abschaffung des Semestertickets überhaupt im Raum steht.

        Warum ein solches Semesterticket kein Thema ist, mit dem sich die Gesetzgebung konkret beschäftigt, ist mir bisher fremd. Aber meiner bescheidenen Meinung nach sollte hier ein Kontrahierungszwang für den ÖPNV bestehen, sodass eine Abschaffung des Tickets gar nicht in Frage kommen kann und somit als Nebenfolge auch nicht als Druckmittel gegen die AStAs missbraucht wird.

        Wie bereits gesagt, es geht hier weniger um den kokreten Betrag, als ums Prinzip. Warum muss man sich überhaupt an den Studenten gütlich halten? Warum diese Art der Verhandlung?
        Warum kann man bspw. beim BAföG keine Regelung zur Bezuschussung finden oder die Kommunen von Landesseite besser finanzieren? Genug Raum wäre im Haushalt wohl recht bequem, wenn ich hier nicht doch unterinformiert bin.

        Warum gibt es überhaupt Vertragsverhandlungen? Das ist doch albern, weil offensichtlich ein riesengroßes Machtgefälle zwischen AStas und ÖPNV besteht.

        Dass die zuständigen Leute beim ÖPNV keine wirtschaftlichen Hardliner sind, ist mir auch klar, theoretisch könnten die weitaus größere Forderungen stellen, gemessen an Ihrer vollkommen ungerechten Verhandlungsposition. Ganz schamlos wird das ganze also hier nicht ausgenutzt.
        Allerdings genug, um den AStA-Vertreter/innen ihre eigene Handlungslosigkeit bewusst zu machen, durchzusetzen, was sie wollen und gleichzeitig als vernünftig und entgegenkommend dazustehen. Für mich ist das insbesondere in Verbindung mit den äußerst intransparenten vorgelegten Zahlen und Statistiken reine Verhandlungsstrategie. Und das dürfte eigentlich bei einem Thema solchen Zusammenhangs nicht sein.

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  4. Johanna Meinhardt sagt:

    Ich als Anwärterin des gehobenen Dienstes in einer Kommune des Landes verdiene mit AW10 1082€ brutto (nach abgeschlossenem BA-Studium) und zahle 269€ für mein Nahverkehrsticket, also 25%. Da man davon ausgeht, dass Anwärter des gehobenen Dienstes damit genug verdienen, gibt es für uns keinerlei Vergünstigungen. Während meines Studiums habe ich das Semesterticket genutzt, ich habe also beide Seiten selbst erlebt, und kann aus meiner Erfahrung sagen, dass es trotz Preiserhöhung keine wirkliche Alternative zum Semesterticket gibt. Wenn man es erst einmal nicht mehr nutzen kann, weiß man es um so mehr zu schätzen!

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    • Johannes Jungilligens Johannes Jungilligens sagt:

      Danke für das Feedback und die konkreten Ergänzungen! Ich nehme an, dass du mit deinem Einkommen nicht grade am unteren Ende der Azubi-Skala stehst und trotzdem ist der Preis des Tickets schon viel davon!

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