Entscheidung am Big Horn: Der Kampf der GDL gegen die Solidarität!

erstellt am: 04.11.2014 | von: Robert Peters | Kategorie(n): Meinung

Gewerkschaftschef Claus Weselsky bekommt dieser Tage kräftig sein Fett weg. Schiebt da einer einen Egotrip oder werden Gewerkschafter zum Opfer einer arbeitgebergesteuerten Schmutzkampagne? Nichts als Nebelkerzen! Es geht um die Zukunft der Gewerkschaften in Deutschland und um die Rechte von Millionen Beschäftigten!

Steht still: Bahnverkehr  © Sebastian Laumen/fotostock.jusos-mg.de

Steht still: Bahnverkehr
© Sebastian Laumen/fotostock.jusos-mg.de

Claus Weselsky ist derzeit wohl einer der unbeliebtesten Deutschen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beklagt eine Medienkampagne gegen sich und die Ausstände der GDL-Mitglieder. Die Deutsche Bahn hält sich derweil auffällig zurück in der Öffentlichkeit, zumindest über die offiziellen Kanälen. Man darf annehmen, dass die Arbeitgeberseite „Off-the-Record“ alles versucht, um den Ärger um die GDL-Führung in den Medien am Kochen zu halten. Und tatsächlich: Niemand spricht derzeit wirklich über die Forderungen der Beschäftigten. Nur: Ist das wirklich eine Folge der medialen Berichterstattung?
Die Öffentlichkeit scheint ein gutes Gespür dafür zu haben, worum es beim Tarifstreit der Lokführergewerkschaft wirklich geht. Nicht um Lohn, nicht um Arbeitszeiten! Es geht auch nicht lediglich um den Einfluss einer bestimmten Gewerkschaft im DB-Konzern. Es geht um nichts anderes, als die Zukunft der Gewerkschafts- und Tariflandschaft in Deutschland!

Entscheidungsschlacht um die Zukunft der Gewerkschaftsbewegung?

Der Tarifstreit bei der Deutschen Bahn könnte einen Präzedenzfall in Deutschland schaffen. Im alten Streit zwischen Spartengewerkschaften und ihren großen Konkurrenten, zwischen Deutschem Beamtenbund und DGB, bekundet die GDL ihr wahres Ziel ganz unverhohlen: Sie will die größere EVG, unter dem Dach des DGB organisiert, als führende Gewerkschaft aus der Hauptverantwortung für den Bahn-Tarifvertrag herausdrängen. Geben Bahn und EVG nach, könnte das unabsehbare Folgen haben. Ein derartiger Prestige-Erfolg für eine Spartengewerkschaft, die mit radikalen Forderungen um Einfluss kämpft, könnte die im europäischen Vergleich relativ geschlossene Tariflandschaft hierzulande sprengen, sollten sich mehr und mehr Berufsgruppen an einem Erfolg des GDL-Kurses ein Vorbild nehmen. Was wäre die Folge?

Die Gefahr: Britische oder französische Verhältnisse!

Nun sind düstere Prophezeiungen seit je her eine Vorliebe der politischen Linken, doch eine Sorge treibt DGB wie Arbeitgeberverbände gleichermaßen um: Bloß keine britischen oder französischen Verhältnisse! Frankreich gilt als Mekka der Streikkultur. Was wenige in Deutschland wissen: Tatsächlich erreichen die streikenden Franzosen mit ihren Ausständen

Die Uhr tickt: Wie lange dürfen Spartengewerkschaften noch für Ausnahmezustände sorgen? © Sebastian Laumen/fotostock.jusos-mg.de

Die Uhr tickt: Wie lange dürfen Spartengewerkschaften noch für Ausnahmezustände sorgen?
© Sebastian Laumen/fotostock.jusos-mg.de

relativ wenig! Die Gewerkschaftslandschaft in Frankreich ist zerklüftet. Viele der Gewerkschaften, die zu besonders radikalen Streiks aufrufen und z.B. regelmäßig die Verkehrswege der Grande Nation lahmlegen, erreichen mit diesem Chaos nichts! Gar nichts! Einige von ihnen haben in ihrer Jahrzehnte währenden Geschichte noch nie einen Tarifvertrag ausverhandelt und unterschrieben! Während sie großen Lärm machen, unterschreiben Arbeitgeber Kontrakte mit gemäßigten oder arbeitgebernahen Gewerkschaften. Spricht man mit deutschen Betriebsräten europäischer Konzerne, hört man seit längerem die Sorge, solch eine Entwicklung könnte es auch in Deutschland geben.
Eine andere düstere Vorahnung befürchtet gar britische Verhältnisse! Auf der Insel haben seit Jahrzehnten Spartengewerkschaften das Sagen. Die Folge: Die Politik konnte gewerkschaftliche Rechte massiv einschränken, da es keinerlei erkennbare Lobby mehr für Arbeitnehmerinteressen gibt.
Die Sorge vor den Folgen des GDL-Kurses brachte in dieser Woche auch den DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann dazu, nach langer Zurückhaltung die Führung der Lokführergewerkschaft scharf zu kritisieren.

Wir brauchen jetzt Solidarität! Solidarität gegen die GDL!

Doch was tun, wenn das Handeln einer kleinen Gewerkschaft droht, die Fähigkeit von Millionen Erwerbstätigen zur Durchsetzung ihrer Interessen nachhaltig zu schwächen? Zumal aktuell diskutierte gesetzliche Regelungen aufgrund verfassungsrechtlicher Bedenken mindestens fragwürdig erscheinen?
Jetzt braucht es den Wert, der Gewerkschaftsbewegungen seit je her auszeichnet: Solidarität! Eine gesamtgesellschaftliche Solidarisierung gegen den Kurs der GDL. Die Gesellschaft muss deutlich machen: Jede Tarifforderung hat ihre Berechtigung! Dabei müssen Gewerkschaften jedoch bereit sein zusammenzuarbeiten. Wir dürfen es nicht zulassen, dass einzelne Gewerkschaften die Beschäftigten gegeneinander ausspielen. Anderenfalls sind alle abhängig Beschäftigen in Deutschland die Leidtragenden und auf Arbeitgeberseite steigen die Ausfallkosten aufgrund kaum zu rechtfertigender Ausstände. Gegen einen wenig beliebten Konzern wie die Deutsche Bahn streikt es sich gut. Gegen konkurrierende Gewerkschaften vielleicht auch! Gegen den gesamtgesellschaftlichen Wunsch, nach einer solidarischen Gewerkschaftslandschaft, kommen radikale Spartengewerkschaften langfristig jedoch nicht an!

Bürger, hört die Signale!

„Vereinte Kraft ist zur Herbeiführung des Erfolges wirksamer als zersplitterte oder geteilte.“
Thomas von Aquin

Autor: Robert Peters

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