Unsere Ideen für eine junges Mönchengladbach

erstellt am: 23.02.2014 | von: Johannes Jungilligens | Kategorie(n): Meinung

Am 25. Mai diesen Jahres sind die Mönchengladbacher Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, einen Oberbürgermeister sowie einen neuen Stadtrat und vier Bezirksvertretungen zu wählen. Unter den über 200.000 Wahlberechtigten sind auch viele Jugendliche und junge Erwachsene, für die wir ein entsprechendes attraktives, realistisches und stringent an den Grundprinzipien sozialdemokratischer Kommunalpolitik orientiertes Angebot im Wahlprogramm der SPD Mönchengladbach verankern wollen. Wir Jusos verstehen uns dabei sowohl als Sprachrohr der jungen Generation in die SPD hinein als auch als Teil eben jener Generation. Wir formulieren Ideen, Projekte und Ansprüche für und aus Sicht der unter 35-Jährigen unserer Stadt.

Dieser Text ist aus einem Antrag entstanden, den wir auf unserer letzten Mitgliederversammlung diskutiert und beschlossen haben. Er soll Grundlage für unsere Diskussion über das Programm der SPD Mönchengladbach zur Kommunalwahl im Mai sein und schlägt einen Bogen über die unterschiedlichen relevanten Themenfelder:

 

Stadtentwicklung

Mönchengladbach sollte – so das Ziel der CDU in den 70er Jahren – Autostadt Nr.1 in Deutschland werden. Auch wenn in der Stadt- und die

Grünes Licht für Stadtentwicklung © Sebastian Laumen/Jusos Mönchengladbach

Grünes Licht für Stadtentwicklung
© Sebastian Laumen/Jusos Mönchengladbach

Verkehrsentwicklungsplanung inzwischen deutlich andere Schwerpunkte gesetzt werden, so sind historisch geschaffene Fakten doch immer wieder sichtbar. Für die zukünftige stadt- und verkehrsplanerische Entwicklung unserer Stadt ist der Masterplan MG 3.0 eine gelungene Leitlinie. Dieser sieht – darauf wollen wir einen besonderen Fokus legen – die Integration der Hochschule Niederrhein in das Stadtbild als wichtigen Punkt. Nicht nur verkehrs- und bauplanerisch, auch in möglichst vielen sonstigen Aspekten der Stadtentwicklung befürworten wir ein Mit- und Füreinander mit der Hochschule.

Das ehemalige JHQ hat sich inzwischen auch in der öffentlichen Wahrnehmung vom Fluch zum Segen gewandelt. Viele unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten stehen inzwischen zur Debatte; manche mehr, manche weniger realistisch. Bezüglich der weiteren Verwendung des Areals ist für uns der Fokus auf die Möglichkeit der Entwicklung zu einem Freizeit- und Naherholungsgebiet wichtig.

Mönchengladbach ist – nicht nur aber auch – wegen seiner zwei Zentren eine besondere Stadt. Diese Besonderheit soll erhalten bleiben und beide Zentren gestärkt werden.

Das Modellprojekt „Soziale Stadt Rheydt“ trägt erste Früchte, die Innenstadtgestaltung rund um den Hugo-Junkers-Park und den Marktplart schreitet fort – Rheydt ist im Aufwind! Wir sprechen uns für eine Fortführung sowohl der Projekte an sich als auch der Arbeitsweise in diesen Projekten aus. Vor allem den engen Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern als auch deren Einbindung in alle Entscheidungsphasen ist wichtig und muss erhalten bleiben. Bürgerbeteiligung ist nicht nur richtig und wichtig, sondern vor allem modern und unabdingbar für ein erfolgreiches Miteinander in der Stadt.

 

Mobilität heute

Nicht jeder, der ein Verkehrsmittel benötigt, braucht dieses dauerhaft. Mobilität der Zukunft umfasst für uns daher auch Konzepte wie Carsharing und Leihfahrradstationen, deren Ansiedlung in unserer Stadt wir fördern wollen.

Die Anbindungen an den Regionalverkehr der Deutschen Bahn soll vor allem zu den Stoßzeiten, aber auch in den Nachtstunden, ausgebaut werden. Gute Verbindungen nach Köln, Düsseldorf und in das Ruhrgebiet sind für eine Integration in die Metropolregion Rhein-Ruhr unerlässlich.

Mönchengladbach - auf dem Weg zur Fahrradstadt? © Sebastian Laumen/Jusos Mönchengladbach

Mönchengladbach – auf dem Weg zur Fahrradstadt?
© Sebastian Laumen/Jusos Mönchengladbach

Das Sozialticket muss weiterentwickelt werden und breitflächig benachteiligten Personen  zur Verfügung gestellt werden. Zudem müssen bei Erwerb des Sozialtickets möglichst alle Hürden abgebaut werden.

Wir setzen uns für eine Ausweitung des nächtlichen Bus-Angebots vor allem in den städtischen Randregionen ein.

Langfristig setzen wir uns für einen fahrscheinlosen öffentlichen Nahverkehr ein, der sowohl die Verkehrssituation in unseren Innenstädten als auch die dadurch entstehenden Umwelt-Probleme reduziert. Eine Teilnahme Mönchengladbachs an einem derartigen Modellprojekt wäre eine gute Möglichkeit, die Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit eines derartigen Projektes zu beweisen.

Mönchengladbach muss stärker zur Fahrradstadt werden. Für die Neu- und Umplanung von Radwegen befürworten wir die konsequente Umsetzung einer fahrradfreundlichen Verkehrswegeplanung orientiert am Konzept des „Shared Space“.

 

Bürger-Beteiligung

Bürgerbeteiligung ist keine Mode-Erscheinung, sondern Grundpfeiler eines zeitgemäßen Demokratieverständnisses. Zur Information und Beteiligung möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger müssen Barrieren abgebaut und die sich entwickelnden technischen Möglichkeiten genutzt werden.

Die vom Bund und vor allem vom Land Nordrhein-Westfalen derzeit bestrittenen Anstrengungen zur Etablierung einer OpenData-Struktur soll im Sinne der aktiven Bürgerbeteiligung  konsequent umsetzen und fortentwickel werden. Dabei gilt der Grundsatz, das möglichst alle von öffentlicher Hand bezahlten und im Stadtgebiet erhobenen Daten über eine zentrale Internet-Plattform in offenen Formaten zum Abruf und zur Weiterverwendung bereitgestellt werden. Wir folgen dabei dem Ansatz größtmöglicher Transparenz und dem Leitsatz „die Stadt in Bringschuld statt die Bürgerinnen und Bürger in Holpflicht“.

Die Einführung und Umsetzung eines Rat-TVs in Form von Internet-Livestreams der öffentlichen Ratssitzungen befürworten wir und schlagen daher die Prüfung einer möglichen Umsetzung vor.

 

Ausbildung/Jugendförderung

Trotz einer steigenden Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze gibt es weiterhin Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz  bekommen und denen so ein solider Start in das Berufsleben verwehrt bleibt. Auf der anderen Seite gefährdet der drohende Fachkräftemangel auch bei uns in Mönchengladbach die wirtschaftliche Stabilität und Zukunftsfähigkeit kleiner und mittelständischer Unternehmen. Gleichzeitig gibt es im Stadtgebiet eine Unzahl an Ausbildungsbörsen, Berufsinformationsabenden und ähnlichen Aktionen, die jedoch meist von einzelnen Akteuren organisiert werden. Um den Prozess der Berufswunschbildung und den Start in die Ausbildung zu unterstützen soll bei der städtischen Wirtschaftsförderung WFMG eine Stelle für die Koordinierung der Informations- und Vernetzungangebote eingerichtet werden. Dies soll für eine langfristige und nachhaltige Versorgung mit gut ausgebildeten Fachkräften einen wichtigen Grundstein legen.

Hochschule Niederrhein als Motor für die Stadt?  © Johannes Jungilligens/Jusos Mönchengladbach

Hochschule Niederrhein als Motor für die Stadt?
© Johannes Jungilligens/Jusos Mönchengladbach

Ein Studium abzubrechen ist keine Schande, danach alleine gelassen zu werden schon. Die verantwortlichen Stellen dieser Stadt sollen in enger Koordination Beratungs- und Vermittlungsangebote – explizit auch für Studienabbrecherinnen und -abbrecher – bereitstellen. Dabei sehen wir vor allem das Jugendjobcenter in Verantwortung. Diese ausdrücklich für die Förderung und Beratung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ins Leben gerufenen Einrichtung soll durch personelle Verstärkung im Bereich der Jugendsozialarbeit ihre Angebote angemessen und ohne Hürden anbieten können. Dabei ist uns vor allem der unterstützende und beratende Aspekt der Sozialarbeit wichtig.

Die Reform der Schullandschaft, insbesondere die stärkere Implementierung des Ganztags-Prinzips, schreitet stetig voran und ist Herausforderung und Chance zugleich. Uns Jusos ist dabei wichtig, dass die Aspekte der eher “schulfernen” Bildungsangebote dabei nicht hintenüber fallen. Musische, sportliche und kulturelle Fähigkeiten sind ein wichtiger Teil einer gelungenen Schulbildung und kann von den bestehenden außerschulischen Strukturen wie Sportvereinen, kulturellen Einrichtungen wie der Musikschule und dem Stadttheater bestens vermittelt werden. Daher gilt für uns: Eine verstärkte Kooperation dieser Einrichtungen mit den Schulen ist für den Auf- und Ausbau einer hochwertigen Ganztagsbetreuung unerlässlich.

Die Diskussion über den Neubau der Mönchengladbacher Stadtbibliothek scheint beendet; unsere Ideen und Forderungen an eine moderne und zeitgemäße Bibliothek bestehen aber weiter: Für die Sanierung und den Umbau des Standorts an der Blücherstraße befürworten wir weiterhin eine deutliche Verbesserung der Arbeitsplatzsituation – vor allem die Möglichkeit des gemeinsamen Arbeitens in Gruppen – , eine zeitgemäße Medienausstattung und den Ausbau des digitalen Angebots.

 

Jugend-Beteiligung

Die oft bemängelte und bei Jugendlichen leider weit verbreitete Demokratie-Unlust und Politikferne ist unter anderem durch das Fehlen zeitgemäßer Beteiligungsmöglichkeiten für ebenjene Jugendliche begründet. Demokratie in Aktion erleben und relevanter Teil davon sein stärkt das Verständnis von und das Vertrauen in die Demokratie und ihre Prozesse. Daraus und aus der einfache Tatsache, dass Jugendliche ein Recht auf Mitsprache und Beeinflussung haben, leiten wir die Forderung nach Beteiligungsmöglichkeiten ab. Um diese konkret umzusetzen, fordern wir die Einrichtung eines Jugendparlament entlang dem von uns vorgeschlagenen “Rahmenkonzept zur Einrichtung eines Parlamentarischen Jugendforums”, welches über das Jugendamt koordiniert und in seiner Arbeit begleitet wird.

 

Graffiti des Stadtwappens  © Sebastian Laumen/Jusos Mönchengladbach

Graffiti des Stadtwappens
© Sebastian Laumen/Jusos Mönchengladbach

Jugend-Freizeit

Wie jugendliche Freizeit und deren Gestaltung aussehen soll, wissen Jugendliche am besten selbst. Dies soll konkret von Jugendlichen erfragen und häufig gewünschte Projekte wie die Schaffung legaler Graphitti-Flächen zeitnah umsetzen. Zur weiteren Ideen- und Projektinitiierung ist das Jugendparlament (s.o.) eng in die Arbeit der zuständigen Fachgremien einzubinden.

Die Jugendsozialarbeit mit aufsuchenden und niedrigschwelligen Freizeitangeboten nimmt sowohl integrative als auch präventive Aufgaben war. Wir Jusos sehen es als dringende Aufgabe der Stadt, ein bedarfsgerechtes Angebot zu etablieren – die ist gelebte Umsetzung sozialdemokratischer Werte!

In den letzten Jahren hat sich auf Basis privater Initiativen eine zuvor ungeahnte jugendkulturelle Landschaft mit Projekten wie dem Horst-Festival, den Greta- & Klaus-Märkten, Urban Gardening im Margarethengarten oder dem Potpourri-Festival entwickelt. Zeitgleich vernetzen sich in Verbänden wie der Altstadt-Initiative, dem Waldhaus 12 e.V. oder dem Apparillo-Netzwerk engagierte Bürgerinnen und Bürger und gestalten aktiv und bodennah die Zukunft unserer Stadt mit. Wir begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich und fordern eine breitete Förderung und Kooperation der Stadt mit diesen Akteuren.

 

Altstadt-Entwicklung

Die Mönchengladbacher Altstadt als zentrale Stelle des Nachtlebens in unserer Stadt nimmt vor allem für Jugendliche wichtige Freizeitfunktionen war und muss dementsprechende Angebote vorhalten.

Altstadt weiterentwickeln © Sebastian Laumen/Jusos Mönchengladbach

Altstadt weiterentwickeln
© Sebastian Laumen/Jusos Mönchengladbach

Bei der Fortentwicklung der Altstadt setzen wir auf eine intensive Zusammenarbeit mit der Altstadt-Initiative. Zur Attraktivitätsteigerung des Freizeit- und Lebensraumes Altstadt unterstützen wir die Einrichtung eines flächendeckenden offenen W-LAN-Netzes nach dem Freifunk-Prinzip.

Auch die An- und Abreise ins und vom Nachtleben ist ein wichtiger Teil einer gut funktionierenden und liebenswerten Altstadt. Wir setzen uns für eine Verbesserung der entsprechenden Möglichkeiten ein. Dies umfasst vor allem einen Ausbau des Nachtbus-Angebots sowohl in der Frequenz als auch in den angefahrenen Zielen.

Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt eines gelungenen Altstadt-Besuchs. Dabei spielt aber nicht nur die gefühlte, sondern vor allem die tatsächlich nachweisbare Sicherheit eine entscheidende Rolle. In unseren Augen sind die derzeitigen Maßnahmen der Kameraüberwachung nicht zweckmäßig, erhöhen nur die gefühlte aber nicht die  tatsächliche Sicherheit, verlagern im Zweifelsfall die Kriminalitätsschwerpunkte nur und greifen darüber hinaus übermäßig in die informationelle Selbstbestimmung und damit in die Privatsphäre der Altstadtbesucher und -Besucherinnen ein. Die Kameraüberwachung in der Altstadt wollen wir daher kritisch prüfen lassen und bei unzureichenden Ergebnissen abschalten.

Das Sammeln von Pfandflaschen ist in der Mönchengladbacher Innenstadt traurige Realität. Unsere langfristigen Anstrengungen liegen gemäß dem präventiven Politikansatz selbstverständlich auf der Verhinderung der dazu führenden Umstände. Zur kurzfristigen Verbesserung der Situation wollen wir sog. „Pfandringe“ an den relevanten Stellen anbringen.

Johannes Jungilligens

Autor: Johannes Jungilligens

Johannes ist seit 2009 Mitglied bei den Jusos Mönchengladbach. Er lebt in Mönchengladbach und Bochum (und im Zug) und vertritt sozialdemokratische Werte nach dem Motto "Keiner kann die Welt alleine verändern (und das ist gut so)". Johannes findet, dass mit vielen guten Ideen und vielen, die mitmachen, die Gesellschaft gerechter und offener gestaltet werden kann. "Gleiche Löhne für gleiche Arbeit, faire Aufstiegschancen unabhängig von der Herkunft und freiheitliches Denken als Rahmen für die volle Entfaltung jeder und jedes einzelnen sollten selbstverständlich sein, sind es aber leider nicht. Daran müssen wir arbeiten!"

Einen Kommentar hinterlassen




Kommentar*

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

3 Kommentare zu „Unsere Ideen für eine junges Mönchengladbach“

zum Seitenanfang
Datenschutz | Impressum | Kontakt

Copyright © 2017 Jusos Mönchengladbach - alle Rechte vorbehalten