Islamophobie oder Islamismus? Beides Scheiße!

erstellt am: 10.02.2014 | von: Sebastian Laumen | Kategorie(n): Berichte

Am Samstag demonstrierten die Jusos mit dem Mönchengladbacher Bündnis gegen die Kundgebungen der Salafisten und Pro NRW. Ganze fünf Demonstrationen waren angemeldet. Zu einer Sternstunde der Demokratie wurde der Tag trotzdem nicht. Das lag zum Teil an der Organisation. Die Polizei schien erst den Überblick zu gewinnen, als Glasflaschen flogen. Aber der Reihe nach.

Pierre Vogel

Pierre Vogel bei der Kundgebung der Salafisten

Dass die Salafisten rund um den Ex-Boxer Pierre Vogel zu einer Kundgebung unter dem Motto „Islamophobie in Mönchengladbach“ geladen hatten, sorgte bereits im Vorfeld für Diskussionsstoff. Dass die Kundgebung auf dem Alten Markt statt fand, ist nur damit zu erklären, dass nur diese Ort ausreichend Platz für alle Demonstranten bei gleichzeitiger räumlicher Trennung bieten konnte. Ansonsten ist ein derart prominent Bühne nur schwer nachvollziehbar. Zumal diese Entscheidung in erster Linie für die Marktbeschicker mit Umsatzeinbußen einherging, da diese ihre Stände früher abbauen mussten.

Auftritt der German Defense League überfordert Polizei

Bereits anderthalb Stunden vor dem offiziellen Beginn fanden sich erste Demonstranten ein. Salafisten aus dem ganzen Bundesgebiet reisten an, um den Eindruck zu vermitteln, dass es in Mönchengladbach wieder eine aktive Salafismus-Szene gäbe.Während die Polizei mit fünf Hundertschaften im großen Stil auffuhr, freute sich die Kneipe „Manamana“ am Alten Markt über regen Bierabsatz. Denn dort trafen sich „Borussiafans“, um sich für die anschließende Demo in Stimmung zu trinken. Diese Gruppierung schien zuvor niemand auf dem Schirm gehabt zu haben. Generell wäre das wohl nicht so schlimm gewesen, wenn es sich bei ihnen um normale Demonstranten gehandelt hätte. Leider bestand diese Gruppierung aber aus Mitgliedern der alten und neuen Hooliganszene. Die Kombination aus Deutschlandfahnen, Fahnen mit dem nordischen Kreuz in Schwarz-Rot-Gold und der German Defense League ließ nichts Gutes erahnen. Interessant war, dass die Fahnen der GDL zur Division Köln gehörten. So wie es aussieht, ist die im Fußball mit aller Radikalität gepflegte Rivalität mit den Domstädtern auch nur Fassade.

GDL und Bürgerliche

Wilfried Schulz freut sich über Zuspruch bei der German Defense League

Die Polizei hatte derweil nichts besseres zu tun, als diese Gruppierung genau auf dem Platz zu schicken, auf den das Mönchengladbacher Bündnis für die Demonstration zugewiesen bekommen hatte. Es schien so, als  gab es für die Polizei bis dahin nur die Kategorien „Salafisten“ und „Nicht-Salafisten“.  Als ich einen Polizisten darauf ansprach, kam die wenig hilfreiche Erklärung, dass es in Deutschland ja die  Versammlungsfreiheit gäbe, und jeder das Recht habe, sich einer Demonstration anzuschließen. Das ist formal natürlich richtig, bewies aber das Feingefühl einer Bratpfanne. Die Polizei erweckte nicht den Eindruck, dass sie diese Gruppierung in ihren Planungen auf dem Schirm hatte. Denn das Anliegen der GDL deckte sich nur sehr peripher mit dem Demo-Aufruf des Mönchengladbacher Bündnisses.

Die Bürgerlichen lassen ihre Maske fallen

Eine weitere Gruppierung, die zur Demo aufgerufen hatte, war die Mini-Partei „Die Bürgerlichen“. Vorsitzender Wilfried Schultz hätte sich wohl keinen besseren Wahlkampfauftakt wünschen können, als das Comeback der Salafisten. Nachdem er sich bei der Polizei vergewisserte, ob es sich bei der GDL nicht um eine verbotene Organisation handeln könne, scheute er auch den Schulterschluss mit der GDL nicht und stellte sich demonstrativ neben sie. Den Applaus der islamophoben Gruppierung für seine Rede nahm er gerne an. So schnell bröckelt also der bürgerliche Anstrich.

Unordnung bestimmt das Bild

Das Mönchengladbacher Bündnis demonstrierte derweil nicht an dem ihm zugesagten Platz gegen Islamismus und Islamophobie, sondern hinter den Reihen der Bürgerlichen und der GDL. Das lag nicht nur an den äußeren Umständen, sondern ist in gewisser Weise hausgemacht. Frei nach dem Motto „Wir demonstrieren erst um 15 Uhr, warum sollte ich denn dann eher vor Ort sein?“ fanden sich die Demonstranten erst ein, als Kuchen schon verteilt war.  Das schlechte Wetter schien zudem auch viele abgehalten zu haben, Präsenz zu zeigen. Diese Demo wäre wohl der Anlaufpunkt für alle gewesen, die sich gegen den Salafismus ausprechen wollten, ohne sich gleich mit rechten und islamophoben Rattenfängern gemein zu machen. Die wenigen Bürger, die demonstrieren wollten, hatten es schwer, das Bündnis überhaupt zu finden. Es war ein trauriges Bild, das die Mönchengladbacher Bürgerinnen und Bürger und das Bündnis aus Parteien und Vereinen abgab. Kaum jemand schien zu wissen, wer wo demonstriert. Insgesamt war die Lage chaotisch und unübersichtlich. Polizisten erkundigten sich mehrfach bei Demonstranten, zu welcher Gruppierung sie denn gehörten.

Nicht genehmigte Kundgebung der GDL

Polizei drängt GDL ab

Die Polizei drängt die GDL in Richtung Waldhausener Straße ab

Während Oberbürgermeister Norbert Bude beim Bündnis eine Rede hielt, hatten die Demonstranten der GDL genug vom Herumstehen. Sie machten sich geschlossen auf den Weg zu den Salafisten, mit dem Ziel diese anzugreifen. Es flogen Glasflaschen und Bengalische Feuer wurden gezündet. Da erkannten wohl auch die letzten Polizisten, dass das  Mönchengladbacher Bündnis nichts mit der German Defense League zu tun hat und die Demonstration nicht von einem gemeinsamem Geist getragen wurde. Es zeigte sich, dass die enorme Polizeipräsenz erforderlich war, auch wenn man wohl mit Randale von anderer Seite gerechnet hatte. Der Auftritt der GDL wurde daraufhin als nicht genehmigte Kundgebung einsortiert und die Teilnehmer auf die Waldhausener Straße abgedrängt. Dort wurden sie erkennungsdienstlich behandelt.

Nach der Demo blieb die Erkenntnis, dass die Salafisten mit etwa 100 bis 150 Personen nicht einmal annähernd die angekündigte Teilnehmerzahl mobilisieren konnten, obwohl sie ihre Leute aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen trommelten. „Pro“ NRW war vor allem mit sich selbst beschäftigt. Für die interessierte sich niemand. So war  deren Demo zum Glück  nicht mehr als eine Randnotiz.

Ich selbst kann mich aber dem Eindruck nicht erwehren, dass die unorganisierten Bedingungen dazu führten, dass es der Demo des Bündnisses nicht gelang, zu erklären wofür und wogegen man denn demonstrierte. Zu zeigen, dass man Islamismus ablehnt und die Antwort darauf nicht Islamophobie bedeutet. Die Jusos haben im Vorfeld in Anlehnung an ein Antifa-Plakat beim Protest in Eicken sich auf das Motto „Islamismus und Islamophobie – beides scheiße!“ festgelegt. Es sollte nicht gelingen von einer der beiden Extreme in die Nähe der jeweils anderen gedrückt zu werden. Das mag gelungen sein, weil kaum jemand von der Demo Notiz nahm. Für das gesamte Bündnis besteht Optimierungsbedarf.

Ach ja, die fünfte angemeldete Demo gab es ja auch noch. Die Partei demonstrierte abseits vom allgemeinen Geschehen auf dem Kapuzinerplatz gegen Gegendemonstrationen. Kann man machen, aber die waren auch schon mal lustiger.

Sebastian Laumen

Autor: Sebastian Laumen

"I ♥ MG - diese Stadt hat ihr Potential noch nicht ausgeschöpft." Sebastian betrachtet die sozialdemokratischen Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität nicht als abstrakte Richtlinien sondern als konkreten Handlungsauftrag. Er ist Mitglied der Bezirksvertretung Mönchengladbach-Nord.

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