Ist das Satire oder kann das weg?

erstellt am: 30.01.2012 | von: Johannes Jungilligens | Kategorie(n): Meinung

Den Namen Ansgar Heveling hatte ich, das gebe ich gerne zu, bis heute noch nie gehört. Obwohl der gute Mann in Mönchengladbach geboren ist und für unsere Nachbarn aus Korschenbroich im Deutschen Bundestag sitzt, stolperte ich erst heute gegen 13 Uhr über diesen Namen. Ansgar Heveling hat einen Text geschrieben, der dem Handelsblatt wahrscheinlich einen sprunghaften Anstieg an Seitenbesuchen, dem Internet einen Running Gag (bzw. Meme) und mir viel Spaß eingebracht hat, einen Text über das Web 2.0, über Urheberrecht und dessen Verletzung sowie, nun ja, Krieg und Frieden.

Ein Text, der Spott, Hohn und Wut provoziert hat, und das zurecht: nach wilden Anschuldigungen gegen praktisch jeden Internetnutzer, der als Teil der Netzgemeinde als böse „Minderheit“ (sic!) die friedliche Mehrheit der Nichtinternetnutzer terrorisiert, erklärt Herr Heveling den ersteren den Krieg, in der absolut edlen Absicht, sowohl Zivilisation als auch Medienkonzerne zu retten. In einem solchen Krieg, so sollte man meinen, zieht man nur, wenn man selber gut gerüstet ist – genau das war er aber leider in offensichtlichster Weise nicht. Homepage übernommen (wer seinen Admin-Bereich so schützt, handelt mehr als fahrlässig), die Kollegen zu Dementi und Ablehungsstatements gezwungen, selbst keine Reaktion zeigen – das sieht mehr nach einem Selbstmordkommando aus als nach einer wohlüberlegten Aktion. Aber nun gut…

Und was ist jetzt so schlimm daran?

Alles oben genannte hört sich erstmal einfach lustig an, ein Missgeschick, böser gesagt: ein Griff ins Klo mit Anlauf. Aber da ist mehr. Das Schlimme an dem Artikel ist erstens, dass der gute Herr für die CDU in der Enquete-Komission Internet und digitale Gesellschaft (EIdG) sitzt, es also besser wissen müsste. Zweitens führt es (wieder einmal) mit aller Heftigkeit vor Augen, wie wenig die, die das Internet im parlamentarischen Rahmen behandeln, von ebenjenem verstehen. Die Vorstellung, dass jemand, der das möglicherweise komplexeste je vom Menschen geschaffene Gebilde als etwas grundsätzlich böses und gefährliches behandelt, Entscheidungen mittrifft, die mehr als nur weitreichende Folgen haben (siehe ACTA und Co), stößt mir nicht nur bitter auf, dass bereitet mir Übelkeit im gehobenen Maße. Netzpolitik ist ein weites, schwieriges und komplexes Feld, in dem man sich nicht einfach so bewegen kann. Es ist zudem riskant, sich mit gewagten Thesen zu äußern (außer man steht auf Shitstorms) und in diesem Kontaxt sind viele Thesen schnell als „gewagt“ zu bezeichnen. Netzpolitik erfordert sowohl Fachkenntnisse als auch Sensibilität. Genau das fehlt (nicht nur) Herrn Heveling aber. Als Politiker sollte man sowieso beides haben, als Netzpolitiker, der er ist, vorallem auch Fachkenntnis. Man braucht als dritten Punkt aber auch Integrität, und zwar Integrität in dem Sinne, dass man sich nicht einfach als Zugpferd vor den Karrern eines mächtigen Lobbyverbandes spannen lässt. Ansgar Heveling hat mit seinem Text zweifelsfrei klargestellt, dass er in keinem der drei Kriterien punkten kann. Als offizieller Vertreter der CDU in der Enquetekommission ist er maßgeblich an der netzpolitischen Meinungsbildung innerhalb der Union beteiligt und somit auch für diese Verantwortlich. Der werte Herr Kollege Dr. Krings, der Mönchengladbach im Bundestag mehr schlecht als recht vertritt arbeitet, so kann man es auf der inzwischen wieder hergestellten Internetpräsenz von Ansgar Heveling lesen, arbeitet eng mit dem Auftregungsverursacher zusammen – gleich und gleich gesellt sich gern.

Ich möchte, sowohl als Mönchengladbacher, als auch als Deutscher Bürger und vorallem als Internetbenutzer (sogar als Digital Native) nicht von gewählten Vertretern beschimpft werden. Ich möchte gut und kompetent vertreten werden. Das scheint zur Zeit nicht der Fall zu sein.

Johannes Jungilligens

Autor: Johannes Jungilligens

Johannes ist seit 2009 Mitglied bei den Jusos Mönchengladbach. Er lebt in Mönchengladbach und Bochum (und im Zug) und vertritt sozialdemokratische Werte nach dem Motto "Keiner kann die Welt alleine verändern (und das ist gut so)". Johannes findet, dass mit vielen guten Ideen und vielen, die mitmachen, die Gesellschaft gerechter und offener gestaltet werden kann. "Gleiche Löhne für gleiche Arbeit, faire Aufstiegschancen unabhängig von der Herkunft und freiheitliches Denken als Rahmen für die volle Entfaltung jeder und jedes einzelnen sollten selbstverständlich sein, sind es aber leider nicht. Daran müssen wir arbeiten!"

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