Die Lüge vom “bürgerlichen Lager”

erstellt am: 25.09.2009 | von: Sebastian Laumen | Kategorie(n): Meinung

Ist es nicht schon ein fast gängiger Begriff – das “bürgerliche Lager”? Zeitungen verwenden ihn ohne Bedenken; nach der ein oder anderen Wahl verstehen es Journalisten, wie Politiker die Gruppe aus CDU, FDP und Freien Wählern als “bürgerliches Lager” einzuordnen – doch was steckt hinter diesem Begriff?

Sie haben bei den letzten Wahlen nicht CDU, FDP, Freie Wähler oder Zentrum gewählt? Wirklich nicht? Dann gehören sie in den Augen der eben beschriebenen Gruppen nicht zum Bürgerlichen Lager und die Mitglieder anderer Parteien erst Recht nicht. Wir sind also nicht “bürgerlich”. Was macht uns nicht-bürgerlich? Ich weiß es nicht. Ich bin hier in Deutschland geboren, bin hier aufgewachsen und habe die deutsche Staatsangehörigkeit. Außerdem habe ich auch vor, wenn es soweit ist, hier in Deutschland ordnungsgemäß Steuern zu zahlen. Ich bin also bereit meinen bürgerlichen Pflichten nachzukommen. Und trotzdem bin ich nicht bürgerlich? Diese Unterstellung ist in meinen Augen geradezu beleidigend. Die Geisteshaltung hinter dem Begriff ist sogar erschreckend. Bin ich etwas kein Bürger oder ein Bürger zweiter Klasse?
Bis auf ein paar Punks, Alt-68ern oder allen Anderen, die unter Bügerlich ein gewissen Spießertum verstehen, versteht sich wohl kaum jemand, nicht als Bürger dieses Staates. In den Augen von Ronald Pofalla, Guido Westerwelle und Konsorten, sind also alle, die nicht ihrem “Lager” die Stimme geben “unbürgerlich” – inklusive derer, die sogar von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und sich wenigstens noch ein bisschen für Politik interessieren.

Die Taktik dahinter ist klar: Weil die wenigsten sich als nicht-bürgerlich begreifen wollen, da sie sich damit aus der Gesellschaft ausgrenzen würden, hofft die Parteien so Stimmen für sich zu gewinnen.
Auch alle eingebürgerten Ausländer, die sich entschieden haben Deutscher Staatsbürger zu werden, integrationswillig sind, hier Steuern zahlen und nun endlich auch hier wählen dürfen, sind zwar offiziell Bürger der Bundesrepublik, aber in den Augen von CDU und FDP unbürgerlich.

Doch ist man bürgerlich, wenn man seinen Bürgerpflichten nachkommt? Dabei wäre es sicher einmal interessant zu wissen, wessen Wähler anteilsmäßig eher ihrer Bürgerpflicht nachkommen, die Steuern ordnungsgemäß zu bezahlen. Ich spekuliere einfach mal, dass bei allen, die Steuern hinterziehen, der Anteil der CDU- und FDP-Wähler überdurchschnittlich hoch ist. Allein schon deswegen, weil sich viele Möglichkeiten zur Steuerhinterziehung erst den sogenannten Besserverdienern auftun. Man muss ja erstmal soviel Geld haben, damit es sich lohnt, es in die Schweiz oder nach Liechtenstein zu schaffen. Das ist dann das Geld, dass in Deutschland für Sozialleistungen und Investitionen fehlt. Ist ein solch kriminelles Verhalten nicht unbürgerlich? Ist dies etwa das “bürgerliche Lager”, das so oft beschworen wird? Wenn das so ist, möchte ich gar nicht dazu gehören.
Bis das geklärt ist, begreife ich mich als Bürger der Bundesrepublik Deutschland, der wählen geht, um damit das Land und die Gesellschaft zu stärken – und kein konservativ-liberales Lager.

Sebastian Laumen

Autor: Sebastian Laumen

"I ♥ MG - diese Stadt hat ihr Potential noch nicht ausgeschöpft." Sebastian betrachtet die sozialdemokratischen Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität nicht als abstrakte Richtlinien sondern als konkreten Handlungsauftrag. Er ist Mitglied der Bezirksvertretung Mönchengladbach-Nord.

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