Wahlkampfsplitter

erstellt am: 24.09.2009 | von: Sebastian Laumen | Kategorie(n): angemerkt

Plakate hängen an nahezu jedem Laternenmast, Politiksendungen reihen sich im TV geradezu nahtlos aneinander und dazwischen laufen mitunter obskure Werbefilmchen von zum Teil noch obskureren Parteien – es ist Bundestagswahlkampf.

In 3 Tagen und 6 Stunden schließen die Wahllokale – also höchste Zeit einen Blick auf einige Randerscheinungen des Bundestagswahlkampf 2009 zu werfen, die vielleicht schnell wieder in Vergessenheit geraten.

Der Flashmob des Wahlkampfs
Null-Bock-Wahlkampf? Nein. Angela Merkel macht schon Wahlkampf, aber sich auf Inhalte festzulegen ist immer so eindeutig. Das kann nur schaden. So eine der Kanzlerin im Grundgesetz zugestandene Richtlinienkompetenz ist auch eher eine Richtlinie als eine Kompetenz. Also Demokratie! Dann muss der Bürger für Stimmung sorgen. Am Freitag, den 18.9. wurde Angela Merkel bei einem Auftritt in Hamburg frenetisch bejubelt. Jeder Satz wurde mit einem lauten “Yeah!” gefeiert.
Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Die Geschichte dahinter:
Auf CDU-Plakaten wurde die Veranstaltung mit “DIE KANZLERIN KOMMT” angekündigt. Das ist erstmal nichts Besonderes. Auf ein Plakat schrieb jemand mit einem Edding den Satz “Und alle so: Yeaahh!”. Die Ironie dahinter fiel jemandem auf und dieser jemand machte davon ein Foto und stellte es in Internet. Dort wurde es rasend schnell verbreitet. Und weil viele den Spruch recht lustig fanden, riefen populäre Blogger (u.a. SPREEBLICK) zu auf einen Flashmob auf. Jeder Satz von Angela Merkel solle doch bitte mit einem lauten”Yeaahh!” quittiert werden. So ist es dann auch geschehen.
Flickr: DAS Foto
Youtube: Video1, Video2

Der Populismus des Wahlkampfs

Raus aus den Schulden - die Linke weiß, wie.

Raus aus den Schulden – die Linke weiß, wie.

Der Weg aus den Schulden.

Ein Widerspruch ist es vielleicht gar nicht. Ginge es nach der Linkspartei müsste jeder Bürger Höchststeuersatz zahlen – wenigstens, wenn man sie für so redlich hält, dass man ihr eine gewisse Konsequenz unterstellen darf.

Die Entgleisung des Wahlkampfs
Ein Negativ-Highlight: Mit seiner Rede über die angebliche Arbeitsmoral der Rumänen und die zu analytische Beobachtungsgabe von Chinesen hat NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) das Niveau erfolgreich unter den Kellerboden getreten.

Nach seiner Kinder-statt-Inder-Wahlkampagne aus dem Jahr 2002 hat Jürgen Rüttgers mal wieder durchblicken lassen, was er von Arbeitern ausländischer Herkunft hält.

Von Videoaufnahmen, die ein Amateur zufällig gemacht hat, zeigte sich die CDU derart beeindruckt, dass sie nicht nur Profis zur Beobachtung der Opposition engagierte und sogar behauptete, eine solche Bespitzelung sei völlig normal – nein, sie koordinierte diese Kampange auch noch – gesetzeswidrig – von der Düsseldorfer Staatskanzlei aus, wie FOCUS Online enthüllte.

Die beste Lobbyarbeit des Wahlkampfs
Herzlichen Glückwunsch liebe Energieriesen! Dieser Titel geht an Euch. Ihr wisst, von wem Ihr die Lizenz zum Gelddrucken bekommt, während die Bürger unter steigenden Energiepreisen ächzen. Der Ölpreis wird ja nach der Krise auch wieder anziehen, da könnt Ihr ja nichts für – da sind Euch ja die Hänge gebunden und der Gas- und Stromsektor wird ja auch so stark reguliert, dass Ihr Euch kaum noch bewegen könnt. Das ist ja schon fast so, als gäbe es einen freien Wettbewerb.
Da bleiben einem ja fast nur noch die Atomkraftwerke, um annähernd wirtschaftlich zu bleiben. Und weil so ein Atomkraftwerk jeden Tag gut 1 Millionen Euro Gewinn abwirft, sollen die doch bitte noch weiterlaufen. Kann ich verstehen. Das ist ja auch Reingewinn. Für die ungeklärte Endlagerung kommt ja gerne der Staat auf. Wir Bürger zahlen auch gerne für Sanierungen und Instandhaltung von Lagern. Das machen wir auch gerne die nächsten 100.000 Jahre – kein Problem, wir planen sehr weitsichtig. Und eben weil das so ist, hast Du, liebe umweltfreundliche Atomlobby, auch der CDU und der FDP den Wahlkampf geplant und auch zu nicht unbedeutenden Teilen finanziert – für die Zukunft unseres Landes. Danke. Leider seid Ihr schon tot, wenn künftige Generationen die Früchte eurer Arbeit ernten. Sie hätten allen Grund sich zu rächen.

Die Verwandlung des Wahlkampfs
Es lebe der Zeitgeist. Die CDU verzichtet im Wahlkampf ganz auf Inhalte und verdrängt ihr Parteiprogramm. Man hat schließlich eine Kanzlerin. Das ist nichts Neues. Die CDU zählte schon immer mehr als Personenpartei, denn als Programmpartei – da ist es dann auch den meisten Mitgliedern egal, wofür man nun eigentlich steht, solange die Werte stimmen.
Kaum wieder zu erkennen ist hingegen die FDP. “Arbeit muss sich wieder lohnen.” steht auf den Plakaten. Für wen steht da nicht. Deswegen ist die FDP auch weiterhin gegen Mindestlöhne und starke Gewerkschaften, für eine Lockerung des Kündigungsschutzes, aber man ist jetzt sozial – sagt Guido Westerwelle, spätestens bis zum 27. September.

Sebastian Laumen

Autor: Sebastian Laumen

"I ♥ MG - diese Stadt hat ihr Potential noch nicht ausgeschöpft." Sebastian betrachtet die sozialdemokratischen Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität nicht als abstrakte Richtlinien sondern als konkreten Handlungsauftrag. Er ist Mitglied der Bezirksvertretung Mönchengladbach-Nord.

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